— Eine bemerkenswerte Entwicklung in der innerdeutschen territorialen Gliederung bahnt sich an. Die Zeitung Le Temps meldet unter Berufung auf Depeschen der Agentur Radio, dass die Freie Stadt Lübeck offiziell ihren Anschluss an den preußischen Staat beantragt hat.[1] Dieser Schritt bedeutet einen tiefen Einschnitt in die politische Tradition der Hansestadt. Gemeinsam mit Hamburg und Bremen bildete Lübeck bislang die eigenständige Gruppe der Freien Städte im Deutschen Reich.[1]

Die Gründe für dieses weitreichende Ersuchen sind ausschließlich wirtschaftlicher Art. Nach Angaben der französischen Zeitung hofft die Stadtverwaltung durch den Anschluss an Preußen, die schwere ökonomische Krise zu überwinden, unter der Lübeck gegenwärtig leidet.[1]

Als Hauptursache für diese Notlage wird ausdrücklich die Konkurrenz an der Ostseeküste genannt. Es ist der Hafen von Stettin, dessen Wettbewerb die handelspolitische Stellung Lübecks zusehends schwächt.[1] Wie Le Temps ausführt, verbindet man in der Hansestadt mit der preußischen Übernahme die feste Erwartung, diesen drückenden wirtschaftlichen Wettbewerb abzufedern und die eigene Hafenkrise dauerhaft bewältigen zu können.[1]