Die diplomatische Auseinandersetzung zwischen der Sowjetunion und dem Völkerbund hat einen vorläufigen Abschluss gefunden. Wie der Vorwärts unter Berufung auf die Telegrafen-Agentur der Sowjetunion meldet, hat die Moskauer Regierung die jüngste Völkerbundnote bezüglich der Teilnahme an der vorbereitenden Abrüstungskonferenz abschlägig beantwortet.[1] Moskau beharrt auf seinem bekannten Standpunkt und weigert sich, Delegationen in die Schweiz zu entsenden.[1] Ein Bericht der Agentur Reuters, den der Hong Kong Telegraph aufgreift, bestätigt diesen Schritt und betont, dass die Sowjets konsequent an ihrer Weigerung festhalten, an Verhandlungen auf Schweizer Boden teilzunehmen.[2]
Die sowjetische Absage beschränkt sich jedoch nicht auf die politischen Abrüstungsgespräche, sondern erstreckt sich auch auf die geplante Weltwirtschaftskonferenz.[1] Für dieses wichtige Gremium waren ursprünglich hohe sowjetische Funktionäre als Sachverständige vorgesehen.[1] Dem Vorwärts zufolge haben nun sowohl der Vorsitzende der staatlichen Planwirtschaftskommission, Kryschanowski, als auch der Vorsitzende des Zentralverbandes der russischen Genossenschaften, Chintschuk, ihre Einladungen offiziell zurückgewiesen.[1] Beide Wirtschaftsvertreter begründen ihre Entscheidung ausdrücklich mit der Tatsache, dass die Tagung in der Schweiz stattfindet.[1]
Der anhaltende Boykott der Schweiz durch die Moskauer Führung, eine Folge ungelöster diplomatischer Spannungen, stellt das Völkerbundsekretariat vor erhebliche organisatorische Schwierigkeiten. Grund hierfür ist, dass Genf der ständige Sitz der Genfer Liga ist. Die Entscheidung Moskaus erschwert die Bemühungen der westlichen Mächte, die Sowjetunion umfassend in die internationalen Friedens- und Wirtschaftsgespräche einzubeziehen. Die vorbereitende Abrüstungskonferenz wird daher in der nächsten Planungsphase ohne offizielle russische Vertretung stattfinden.[1]