Das Vorgehen der spanischen Militärdirektion gegen die heimische Presse hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie der Pariser Temps aus Madrid berichtet, wurde das Erscheinen der Tageszeitung La Época — des ältesten Blattes der Hauptstadt — auf direkten Befehl des Generals Miguel Primo de Rivera auf unbestimmte Zeit suspendiert.[1] Zudem verhängte die Regierung gegen den Direktor und Eigentümer des Blattes, den Marquis de Valdeiglesias, eine erhebliche Geldstrafe in Höhe von 25.000 Peseten.[1]
Der Vorfall erhält dadurch eine besondere politische Schärfe, dass der beanstandete Artikel die offizielle Zensurbehörde zuvor anstandslos passiert hatte.[1] In einem amtlichen Kommuniqué rechtfertigte General Primo de Rivera diesen Widerspruch mit der Erklärung, die Zensur bewerte lediglich den ihr vorgelegten Wortlaut.[1] Die drastische Maßnahme richte sich jedoch gegen die „böswilligen Absichten“ der Verfasser, welche die Textprüfung naturgemäß nicht erfassen könne.[1]
Bei der gemaßregelten Publikation handelt es sich keineswegs um ein revolutionäres Organ. Nach Angaben des Temps ist La Época der Nestor der spanischen Presse und das traditionelle Sprachrohr der konservativen Partei.[1] Das Blatt wurde in der Vergangenheit von Staatsmännern wie Antonio Cánovas del Castillo, Francisco Silvela und Eduardo Dato geprägt und stand zuletzt unter dem Einfluss des früheren Ministerpräsidenten José Sánchez Guerra.[1]