Nach den entscheidenden militärischen Erfolgen der letzten Tage, die zur Aufgabe des Rifführers Abd el Krim führten, scheint der langwierige Aufstand in Marokko nunmehr seinem endgültigen Abschluss entgegenzugehen. Wie der Pariser Temps aus Fez meldet, haben die französischen Truppen unter General Dufiieux die Einkreisung des Stammesgebietes der Beni-Zeroual plangemäß vollendet. Damit wurde die letzte organisierte Widerstandszelle zerschlagen.[1]

Die Operation, die in den frühen Morgenstunden des 30. Mai begann, wurde von zwei Heeresgruppen durchgeführt. Von Osten rückte die Division des Generals Théveney durch das Tal des Oued El-Leil vor, während von Westen die Truppen unter General Goubaud operierten.[1] Die beiden Kolonnen trafen ohne nennenswerte Gegenwehr bei Souk-lel-Had aufeinander und schlossen damit den Ring um das Stammesgebiet.[1] Mit dieser erfolgreichen Aktion ist die Unterwerfung der einflussreichen Beni-Zeroual nur noch eine Frage von Stunden. Einzelne kleinere Gruppen konnten sich dem Zugriff zunächst entziehen.[1]

In der gesamten Region des mittleren Ouergha besetzen die französischen Streitkräfte nun Gebiete, die sie zuvor nie betreten hatten.[1] Die neue Frontlinie liegt mehr als zwölf Kilometer nördlich der alten Vorpostenkette und erreicht damit die zwischen Frankreich und Spanien vereinbarte politische Grenze.[1] Auch die kleine, aber stets widerständige Gruppe der Beni-Ouriaghel südlich des Ouergha ist mittlerweile eng umschlossen, sodass ihre baldige Kapitulation ebenfalls erwartet wird.[1]

Unterdessen löst sich die Führungsriege um Abd el Krim auf. Mehrere seiner Unterführer, darunter Sidi el Mekki und El Kheriro, sollen in die Gebiete benachbarter Stämme geflohen sein. Andere versuchen, sich in die internationale Zone von Tanger abzusetzen.[1] Es wurden sowohl von französischer als auch von spanischer Seite Vorkehrungen getroffen, um eine Fortsetzung des Kampfes durch diese versprengten Anführer zu unterbinden.[1]

In Rabat gehen zahlreiche Glückwunschtelegramme an den französischen Generalresidenten Steeg ein. In einem Telegramm an M. Steeg feierte der Großwesir El Mokri den Sieg als „eine große Wohltat für Marokko und ein Ruhm für Frankreich“.[1] M. Steeg versicherte in seiner Antwort, er werde in vollem Einvernehmen mit dem Sultan und seinen Ministern für den Wohlstand Marokkos arbeiten.[1]