In Genf trat vom 10. bis 12. Mai eine Konferenz zusammen, um die drängenden Fragen russischer Flüchtlinge zu erörtern.[1][2] Vertreter von insgesamt 24 Regierungen nahmen an den Beratungen teil, ebenso der Hochkommissar für Flüchtlingsfragen, Professor Fridtjof Nansen, sowie der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas.[1] Den Vorsitz der Versammlung führte der französische Senator Révaillaud.[2]

Zentraler Gegenstand der Verhandlungen war die Schaffung eines internationalen Flüchtlingsfonds.[1] Einen von Nansen und Thomas gemeinsam eingebrachten Vorschlag, diesen Fonds durch direkte Garantiesummen aus den Staatsmitteln der Mitgliedsländer zu speisen, unterstützten die Delegierten jedoch kaum.[2] Stattdessen fand ein anderer Plan prinzipiell Anklang: die Einführung einer Gebühr von fünf Goldfranken für jeden ausgestellten Nansen-Pass.[1] Diese Einnahmen sollen zukünftig den Fonds unterhalten.[2]

Zu einer lebhaften Auseinandersetzung führte allerdings die damit verbundene Forderung, die Nansen-Pässe für alle russischen Flüchtlinge obligatorisch zu machen.[1] Bisher ist der Erwerb dieser Dokumente freiwillig und dient vornehmlich Reisezwecken.[2] Zahlreiche Redner sprachen sich gegen eine solche Verallgemeinerung aus und plädierten dafür, dass das Dokument weiterhin ausschließlich dem reinen Passcharakter dient.[1]

Wie aus dem Helsingin Sanomat hervorgeht, erklärte der finnische Vertreter, Legationsrat Eino Välikangas, dass seine Regierung einer Gebühr zwar grundsätzlich zustimmen könne, aber jegliche direkten Unterstützungszahlungen oder Vorauszahlungen für den Fonds ablehne.[2] Laut dem Hufvudstadsbladet widersetzte er sich auch einem Passzwang, da beispielsweise die karelischen und ingermanländischen Flüchtlinge in Finnland ein solches Reisedokument nicht benötigten.[1]