Die seit vergangenem August amtierende Danziger Regierungskoalition aus Zentrum, Liberalen und Sozialdemokraten ist in ihren Grundfesten erschüttert, nachdem ein zentrales Gesetzesvorhaben im Volkstag keine Mehrheit fand.[1] Das Gesetz zur Einführung eines Tabakmonopols, das bereits zum 1. Juli in Kraft treten sollte, scheiterte am Widerstand der bürgerlichen Deutschen Danziger Volkspartei. Diese hatte der Regierung bisher ihre Unterstützung gewährt.[1] Durch deren Ablehnung und die Stimmenthaltung der gesamten Opposition verfehlte die Regierung mit nur 57 Stimmen die erforderliche Mehrheit. Daraufhin wurde der Volkstag beschlussunfähig.[1]
Die Verabschiedung des Gesetzes ist für die Finanzen der Freien Stadt von entscheidender Bedeutung.[1] Wie die *Deutsche Allgemeine Zeitung* berichtet, sollte die geplante Erhöhung der Tabaksteuer ein Defizit von fünf Millionen Danziger Gulden im Staatshaushalt decken.[1] Angesichts dieser Zwangslage hat der Senat nun den Antrag gestellt, den Volkstag trotz der eigentlich bis zum 18. August andauernden Ferien zu einer Sondersitzung einzuberufen.[1] Diese soll bereits am kommenden Montag stattfinden, um einen erneuten Versuch zur Verabschiedung der Vorlage zu unternehmen.[1] Der Ausgang dieser Sitzung wird darüber entscheiden, ob die Regierung sich halten kann oder ob die Krise sich zu einem offenen Konflikt ausweitet.[1]