Nach monatelangen Verhandlungen steht das deutsch-japanische Handelsabkommen offenbar kurz vor seinem Abschluss. Wie die China Mail aus amtlichen Berliner Kreisen erfährt, ist die entscheidende Streitfrage — die Stellung der deutschen Farbstoffausfuhr auf dem japanischen Markt — nunmehr einer Einigung zugeführt worden.[1]

Der Kern des Konflikts lag in einem japanischen Lizenzsystem, das sämtliche Herstellung und jeden Verkauf von Farbstoffen im Lande einer staatlichen Genehmigungspflicht unterwarf. Dieses System hatte deutschen Importen den Zugang zum japanischen Markt bislang verwehrt, ohne dass es je zu einem förmlichen Einfuhrverbot hätte kommen müssen.[1] Japan erklärte sich nunmehr bereit, dieses Lizenzsystem förmlich aufzuheben. Im Anschluss daran sollen deutsche und japanische Farbstoffhersteller untereinander privatrechtliche Vereinbarungen treffen.[1]

Die Vorverhandlungen fanden in Berlin statt und erstreckten sich über etwa sechs Wochen. Die deutsche Seite wurde vom Botschafter Dr. Solf geleitet, dem zeitweise führende Industrielle des Landes zur Seite standen.[1] Die Verzögerung der Gespräche war nicht zuletzt dem Bestreben Japans geschuldet, eine eigene, noch junge Farbstoffindustrie gegen die überlegene deutsche Konkurrenz zu schützen. Die japanische Regierung hatte zu diesem Zweck Subventionen und Dividendengarantien für private Investoren in Aussicht gestellt.[1]

Der Vertragsabschluss lag dem Bericht zufolge vor allem im deutschen Interesse. Japans Ausfuhren nach Deutschland beliefen sich im vergangenen Jahr auf 58 Millionen Yen, während die deutschen Lieferungen nach Japan erheblich höher lagen. Dieses Ungleichgewicht gab Japan wenig Anlass, auf rasche Einigung zu drängen.[1]