Die Beratungen des 63. Deutschen Genossenschaftstages in Königsberg sind im Wesentlichen beendet.[1] Zum Abschluss der mehrtägigen Tagung standen die schwierige Kreditversorgung des gewerblichen Mittelstandes sowie die Neuorganisation des genossenschaftlichen Warenhandels im Vordergrund.[1][2]

Wie der Westfälische Merkur berichtet, verteidigte Bankdirektor Klee Sonermann von der Dresdner Bank die Kreditpolitik der großen Geldinstitute nachdrücklich.[1] Die Wirtschaft sei zu Beginn der Währungsstabilisierung mit unerfüllbaren Ansprüchen an die Banken herangetreten.[1] Die schwere Krise der Industrie habe die Institute zeitweise zu einer sehr vorsichtigen Zurückhaltung gezwungen, was ihnen in der breiten Öffentlichkeit unberechtigte Vorwürfe eingetragen habe.[1]

Auf die drastisch veränderte finanzielle Lage des Mittelstandes wies der Präsident der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse, Geheimer Finanzrat Semper, hin.[1] Nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung betonte er, dass die Kreditvergabe heute nicht mehr auf Depositen aus der Vorkriegszeit aufbauen könne, da die Inflation diese ehemals soliden Eigenmittel weitgehend vernichtet habe.[3] Die Genossenschaften seien — so Semper in seiner eindringlichen Analyse — in starkem Umfang auf die Mittel ihrer beiden Zentralinstitute angewiesen.[1] Nichtsdestoweniger müsse das genossenschaftliche Wesen hartnäckig darauf hinarbeiten, durch die rasche Neubildung von Sparkapital erneut Depositen in angemessenem Umfang aus der Bevölkerung anzuziehen.[3]

Ein weiteres zentrales Thema bildeten die Einkaufsgenossenschaften. Die Kölnische Zeitung entnimmt dem Referat von Generaldirektor Martini, dass die Vorwürfe des klassischen Großhandels gegen diese wirtschaftlichen Organisationen unbegründet seien.[2] Der Großhandel dürfe in der modernen Wirtschaft keine Monopolstellung beanspruchen.[2] Direktor Kesting aus Elberfeld ergänzte laut demselben Blatt, dass der engere Zusammenschluss zu Zentralgenossenschaften geboten sei. Dies diene dazu, den Weg der Ware vom Erzeuger zum Verbraucher merklich zu verkürzen und auf diese Weise preisregulierend zu wirken.[2]

Mit dem Abschluss der Vorträge legten Geheimer Justizrat Alberti und Verbandsdirektor Wilser aus Altersrücksichten den Vorsitz im engeren Ausschuss nieder.[3] Für die verbliebenen Teilnehmer sind in den kommenden Tagen noch regionale Ausflüge vorgesehen, bevor die Delegierten über Marienburg und Danzig ihre Heimreise in das übrige Reich antreten.[1][3]