Der französische Ministerrat befasst sich derzeit intensiv mit der Lage in Syrien und der Ausarbeitung eines neuen Mandatstatuts.[1] Dieses Regelwerk, dessen Grundlinien noch von dem scheidenden Oberkommissar Henry de Jouvenel skizziert wurden, muss dem Völkerbund in Genf im September vorgelegt werden.[1] Der Entwurf bedarf noch einer genauen Durchsicht in seinen Einzelheiten, ehe er seine endgültige Form annehmen kann.[1] Entgegen früheren Annahmen wird de Jouvenel nach Ablauf seiner gegenwärtigen Mission nicht mehr in den Orient zurückkehren. Daher ist die Regierung gezwungen, umgehend einen Nachfolger zu ernennen.[1]

Die Pariser Presse diskutiert unterdessen lebhaft die Anforderungen an den künftigen Posten. Dem Journal zufolge müsse endgültig mit der Methode gebrochen werden, lediglich provisorische Verwalter nach Damaskus zu entsenden.[1] Es bedürfe eines Mannes mit fester Absicht, dort längere Zeit zu verweilen; sollte abermals ein Parlamentarier ernannt werden, bestünde seine erste Amtshandlung lediglich darin, sich von seinen Wählern zu verabschieden.[1] Die Einsetzung klassischer Kolonialbeamter ist ausgeschlossen, da man befürchtet, die empfindliche syrische Eigenliebe durch einen solchen Schritt zu verletzen.[1] Da die militärischen Operationen nahezu beendet sind, gilt auch ein General nicht länger als passend.[1] Zwar würde ein erfahrener Diplomat oder Präfekt als ideale Besetzung gelten, doch es mangelt Frankreich gegenwärtig an geeigneten Kandidaten aus diesen Reihen. Deshalb wird die Wahl voraussichtlich auf einen Politiker fallen.[1] Ministerpräsident Raymond Poincaré hatte im Kabinettrat General Weygand vorgeschlagen, stieß mit dieser Personalie jedoch auf Ablehnung.[1] Als möglicher Kandidat wird nun General Gamelin, der Oberkommandierende der französischen Truppen in Syrien, genannt.[1]

In der französischen Öffentlichkeit herrscht die Überzeugung vor, das Schlimmste in der Levante sei überstanden. Wie der Figaro unter Berufung auf den ehemaligen Beamten des Hochkommissariats, Jean Melia, ausführt, sei die syrische Rebellion durch den militärischen Einsatz und die politische Führung de Jouvenels niedergeworfen worden.[2] Der Auftrag des Völkerbundes besteht weiterhin darin, „Syrien zu beraten, zu leiten, ihm zu helfen und es als unabhängigen Staat zu konstituieren“.[2] Nunmehr gelte es, eine umfassende Friedensordnung mit den notwendigen Amnestien zu schaffen, um die zerrüttete Region auf Dauer zu befrieden und die Verwaltung wiederherzustellen.[2]