In der nicaraguanischen Hafenstadt Bluefields ist es erneut zu einer direkten militärischen Intervention der Vereinigten Staaten gekommen.[1][2] Wie das Berliner Tageblatt meldet, setzte der amerikanische Kreuzer Galveston ein Kontingent von 200 Matrosen und Seesoldaten an Land.[3] Das Vorgehen dient nach offizieller Darstellung dem Schutz des Lebens und Eigentums amerikanischer und anderer ausländischer Staatsbürger.[1][3][4] Der nicaraguanische Gouverneur von Bluefields hatte dem Kommandanten der Galveston zuvor mitgeteilt, dass die Regierungstruppen nicht in der Lage seien, hinreichenden Schutz gegen die anrückenden revolutionären Kräfte zu gewährleisten.[1][3] Aus Washington wird berichtet, dass man in diplomatischen Kreisen davon ausgeht, der Angriff der Revolutionäre auf die Stadt werde erfolgreich verlaufen.[1]

Bereits am 7. Mai dieses Jahres hatten Matrosen des Kreuzers Cleveland eine ähnliche Landung in Bluefields durchgeführt.[1] Der damalige amerikanische Marinebefehlshaber erklärte die Stadt umgehend zu einer neutralen Zone. Vom Kommandanten der Galveston wird nunmehr ein gleicher Schritt erwartet, um die Interessen ausländischer Staatsangehöriger zu schützen.[1] Zudem überreichte der amerikanische Geschäftsträger in Managua, Lawrence Dennis, der nicaraguanischen Regierung eine formelle diplomatische Note.[1]

Der Konflikt hat inzwischen eine internationale Dimension erreicht und reicht bis nach Genf. Der Außenminister Nicaraguas richtete ein Protesttelegramm an den Generalsekretär des Völkerbundes.[3][5] Nach Angaben des Pariser Temps besitzt die nicaraguanische Regierung Beweise dafür, dass bereits am 17. August das Hilfskriegsschiff Concon der mexikanischen Marine von Salina Cruz ausgelaufen sei.[5] Dieses Schiff befinde sich auf einer Freibeuterfahrt, sei bewaffnet und werde von aktiven Militärpersonen der mexikanischen Regierung geführt.[3][5] Nach Darstellung der nicaraguanischen Regierung dient die Mission der Unterstützung der Revolutionäre, deren Umsturzversuche bisher erfolglos waren.[3][5] Mexiko weist diese Vorwürfe zurück. Laut dem Figaro erklärte der mexikanische Gesandte in Nicaragua, dass sich zwar zahlreiche Mexikaner in Zentralamerika aufhielten und einige sich den Aufständischen angeschlossen haben könnten, dies jedoch keineswegs eine Verwicklung der mexikanischen Regierung bedeute.[4]

In Washington beobachtet man die Anrufung des Völkerbundes mit besonderer Aufmerksamkeit.[2] Die Badische Presse berichtet, der Vorfall werde in amerikanischen Regierungskreisen als eine Kraftprobe hinsichtlich der Haltung des Völkerbundes zur Monroedoktrin betrachtet.[2] Der Washington Post zufolge rechnet man in der amerikanischen Hauptstadt fest damit, dass der Völkerbund sich nicht in den Streit zwischen Mexiko und Nicaragua einmischen wird.[1] Ein Eingreifen der Genfer Institution berge das Risiko ernsthafter diplomatischer Komplikationen mit den Vereinigten Staaten. Daher gilt eine Politik der strikten Nicht-Einmischung durch den Völkerbund als wahrscheinlichste Option.[1]