Aus Rumänien treffen äußerst beunruhigende Nachrichten über die dortige Minderheitenpolitik ein, die auf eine massive Verschärfung des nationalen Kurses hindeuten.[1] Wie der Westfälische Merkur meldet, hat die Regierung Avarescu (Alexandru Averescu) offenbar dem Drängen der nationalistischen Opposition und des Unterrichtsministers Goldic (Vasile Goldiș) nachgegeben.[1] Entgegen früheren Zusicherungen ist das Bukarester Kabinett nun bestrebt, die katholischen Nonnen- und Klosterschulen zwangsweise zu rumänisieren.[1] Diese traditionsreichen Bildungseinrichtungen bilden gegenwärtig das einzige höhere Schulwesen, das den deutschen Kolonisten zur Verfügung steht.[1]

Die weitreichende Entscheidung des Unterrichtsministeriums zur Rumänisierung der Nonnen- und Klosterschulen hat bei der schwäbischen Bevölkerung tiefe Erbitterung ausgelöst.[1] Umso auffälliger erscheint die Haltung der Regierung, da sie den Schwaben noch vor den Wahlen eine günstige Lösung dieser drängenden Schulfrage in Aussicht gestellt hatte.[1] Der Schutz der Minoritäten war ausdrücklich in das Wahlprogramm der Regierung Avarescu aufgenommen worden.[1] Aufgrund dieses offensichtlichen Wortbruchs erklärten die Vertreter der Minderheit nun, unter den gegebenen Umständen in die offene Opposition zu treten und energisch gegen das Kabinett vorzugehen.[1]

Die Führer der Banater Schwaben wollen diese Bedrohung ihrer kulturellen Existenz nicht widerspruchslos hinnehmen. Sie haben deshalb beschlossen, in dieser Angelegenheit erneut bei der Zentralregierung vorzusprechen.[1] Sollte dieser letzte Versuch einer gütlichen Einigung erfolglos bleiben, sehen die Schwaben einen Appell an eine höhere internationale Instanz vor: Sie beabsichtigen, offiziell Beschwerde beim Völkerbund zu erheben.[1] In den nächsten Tagen wird der schwäbische Volksrat zusammentreten, um in dieser grundlegenden Frage einen endgültigen Beschluss zu fassen.[1]