Die in Konstantinopel erscheinende und als offiziell geltende Zeitung Milliyet hat mit dem Abdruck der Erinnerungen des türkischen Staatspräsidenten Mustafa Kemal begonnen.[1] In seiner Rückschau, die mit dem Eintritt der Türkei in den Weltkrieg einsetzt, gewährt der General bemerkenswerte Einblicke in seine damaligen Anschauungen.[1] So macht der Präsident keinen Hehl daraus, dass er den Entschluss seiner Regierung, an der Seite der Mittelmächte für die nationale Unabhängigkeit zu kämpfen, von Anfang an für politisch falsch hielt.[1] Als Patriot hat er sich jedoch mit der Entscheidung abgefunden und sich bemüht, als Soldat und Offizier sein Bestes für das Vaterland zu leisten.[1]
Scharfe Kritik übt Mustafa Kemal an der damaligen türkischen Heeresleitung.[1] Diese habe sich, ohne die wirkliche Stärke des eigenen Volkes zu erkennen, zum bloßen Werkzeug der deutschen Militärmission gemacht.[1] Zwar räumt der Präsident ein, dass die deutschen Offiziere angesichts des aus seiner Sicht unwürdigen Benehmens der türkischen Führung die moralische Kraft des osmanischen Heeres unterschätzen mussten, doch geriet er über die Wahl der Mittel immer wieder in tiefen Widerspruch zu seiner Regierung.[1]
Demgegenüber betont die deutsche Seite nachdrücklich, dass die deutsche Militärmission das türkische Volk niemals für schwach erachtet habe.[1] Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung darlegt, haben Tausende deutscher Soldaten auf türkischem Boden geblutet.[1] Man habe aus der Waffenbrüderschaft vielmehr großen Respekt vor der Opferbereitschaft des türkischen Offizierkorps gewonnen.[1] Der Vorwurf, das türkische Heer sei nur als Werkzeug eigener Ziele betrachtet worden, verkennt die damaligen historischen Gegebenheiten vollständig.[1]