Der faschistische Parteiapparat Italiens erlebt einen personellen Umbruch. Wie das Stockholmer Hufvudstadsbladet unter Berufung auf Parteikreise meldet, hat die Generaldirektion der faschistischen Partei ihre Demission einstimmig eingereicht, um ihre Solidarität mit dem scheidenden Generalsekretär Roberto Farinacci zu zeigen.[1] Farinacci begründet in seiner Zeitung den Rücktritt damit, dass er sein Amt seinerzeit übernommen habe, um Italien nach der Krise um den ermordeten Abgeordneten Giacomo Matteotti zu beruhigen; diese Aufgabe sei nun erfüllt, weshalb er sich ganz seiner Heimatprovinz Cremona widmen wolle, um sie zu einer faschistischen Musterprovinz zu machen.[1] Die Nachfolge tritt Augusto Turati an. Nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung gilt Turati als klug, gebildet und versöhnlich.[2] Seine Ernennung zeige, dass der Faschismus nun ein Bedürfnis nach geistiger Vertiefung habe und die enge Starrheit der bisherigen Kampfperiode überwinden wolle.[2]

Hinter den Kulissen werden allerdings handfeste außenpolitische Gründe für die Ablösung des radikalen Farinacci vermutet. Der Vorwärts vertritt die Auffassung, dass nicht allein die wachsende Abneigung europäischer Demokratien, sondern vor allem das italienisch-amerikanische Schuldenabkommen den Ausschlag gegeben haben dürfte.[3] Mussolini liege viel daran, dem Ausland eine Milderung des faschistischen Kurses vorzutäuschen, um die Ratifizierung der Schuldenregelung durch den Washingtoner Senat nicht zu gefährden.[3] Tatsächlich regt sich in den Vereinigten Staaten erheblicher Widerstand gegen das Abkommen. Wie The Washington Times aus der amerikanischen Hauptstadt berichtet, versuchen Teile des Senats unter Führung des einflussreichen Senators William Borah, den Vertrag vorerst aufzuschieben, um Italiens tatsächliche Finanzkraft genauer zu prüfen.[4]

Unterdessen schreitet der formelle Umbau des italienischen Staates unaufhaltsam voran. Der Große Faschistenrat hat unter dem Vorsitz Mussolinis eine tiefgreifende Reform des Senats beschlossen, die Justizminister Alfredo Rocco dem Gremium detailliert vortrug.[3] Neben den bisher vom König auf Lebenszeit ernannten Senatoren sollen künftig auch Mandatsträger auf Zeit einziehen, die von den faschistischen Korporationen vorgeschlagen werden.[3] Das Mindestalter wird auf 40 Jahre festgesetzt, das Mandat endet nach neun Jahren.[3] Ferner wird ein neues Zentralorgan der Regierung geschaffen, das die Tätigkeit aller Korporationen im Sinne der faschistischen Doktrin vereinheitlichen soll, um die Macht des Regimes weiter zu festigen.[3] Diese Maßnahmen sollen offenbar sicherstellen, dass auch die Zweite Kammer zu einem völlig willfährigen Instrument des Regimes umgestaltet wird.[3]