Die königliche Luftfahrtgesellschaft KLM treibt die Pläne für eine direkte Flugverbindung zwischen Amsterdam und Batavia (Jakarta) massiv voran. Wie die Nieuwe Rotterdamsche Courant berichtet, ist man in der Kolonialverwaltung in Buitenzorg zu der Einsicht gelangt, dass die Einführung eines eigenen Luftverkehrs in Niederländisch-Indien nicht länger aufgeschoben werden darf.[1]
Der Anstoß zur Eile erfolgt unmittelbar durch ehrgeizige Vorstöße ausländischer Konkurrenten. Kürzlich stellte eine australische Luftfahrtgesellschaft bei der Kolonialregierung den Antrag, eine Fluglinie nach Surabaya eröffnen zu dürfen.[1] Gleichzeitig treibt die britische Regierung den Ausbau ihres Luftnetzes nach Britisch-Indien voran. Die Gesellschaft Imperial Airways wird voraussichtlich noch in diesem Sommer die Strecke von Kairo über Bagdad nach Karatschi (Karachi) in Betrieb nehmen.[1] Diese britische Linie soll bis spätestens Anfang 1927 bis nach Singapur verlängert werden.[1]
Die niederländischen Gebiete in Asien bilden ein unverzichtbares Verbindungsglied zwischen Britisch-Indien, Australien und Neuseeland.[1] Wegen der gewaltigen Entfernungen und der eingeschränkten Verkehrsmittel ist der ostindische Archipel in besonderem Maße auf den Luftverkehr angewiesen.[1] Bereits im Januar 1924 hatte die KLM dem indischen Gouvernement entsprechende Vorschläge unterbreitet, die jedoch seitdem in verschiedenen Kommissionen kaum Fortschritte erzielten.[1] Die KLM sieht es als ihre vornehmste Aufgabe an, zunächst den Luftverkehr innerhalb Indiens aufzubauen und schließlich eine regelmäßige Luftbrücke zum Mutterland zu schlagen.[1]
Um diese ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen, fordert die Gesellschaft nun weitreichende finanzielle Garantien. Das bestehende Regierungsabkommen läuft Ende dieses Jahres aus.[1] In den Jahren 1923 und 1924 erhielt die KLM ein zinsloses Darlehen von jährlich 400.000 Gulden, das für 1925 und 1926 auf 800.000 Gulden erhöht wurde.[1] Dieser Betrag erwies sich im Vergleich zu den stark subventionierten ausländischen Konkurrenten als zu gering.[1] Die Aktionäre trugen erhebliche Lasten, und manche Gelegenheit zur Erschließung neuer Strecken blieb ungenutzt.[1]
Auf Veranlassung der niederländischen Regierung hat die KLM nun einen Kostenplan für die nächsten acht Jahre erstellt.[1] Um den Betrieb angemessen auszubauen und die Stellung der Niederlande im internationalen Luftverkehr zu behaupten, beziffert das Unternehmen den Finanzbedarf für die Jahre 1927 bis 1934 auf insgesamt vier Millionen Gulden.[1] Nach Angaben des niederländischen Blattes wurde dem zuständigen Ministerium ein entsprechender Antrag auf Subventionen über ein jährliches Volumen von etwa 600.000 Gulden übermittelt.[1]