Wie einmütige Berichte aus dem Nahen Osten melden, haben die französischen Mandatstruppen eine großangelegte Offensive gegen die Drusen-Rebellen im südlichen Libanon eröffnet.[1][2] Die militärischen Operationen begannen gestern Vormittag und scheinen sich bisher planmäßig zu entwickeln.[1][2] Den vorliegenden Meldungen zufolge stießen die französischen Verbände in der Region südlich von Damaskus energisch vor, was bei den Aufständischen rasch zur Auflösung führte.[1]

Dem Figaro zufolge flüchteten die in Unordnung geratenen Drusen nach heftigen Gefechten und ließen zahlreiche Tote sowie große Mengen an Gewehren und Munition zurück.[2] Zwei französische Kolonnen verfolgen die versprengten Banden unaufhörlich und fügen ihnen weiterhin erhebliche Verluste zu.[3] Besonders schwer waren die Zusammenstöße auf dem Vormarsch in Richtung Kuneitra. Eine Abteilung aus Artous schlug die Rebellen in die Flucht, wobei diese zehn Tote beklagen mussten, während eine weitere Kolonne, aus Azvaa kommend, vier feindliche Verluste verursachte und bedeutendes Material erbeutete.[4] Um die Offensive zu unterstützen, hatte das französische Kommando ursprünglich vier Kolonnen um Damaskus versammelt, von denen jedoch zwei zwischenzeitlich wieder abgezogen wurden.[1]

Diese militärischen Anstrengungen werden von diplomatischen Aktivitäten höchster Ebene begleitet. Der französische Hochkommissar für die Republik in Syrien, Henry de Jouvenel, ist gerade von einem Besuch in Jerusalem nach Beirut zurückgekehrt.[2] In Jerusalem führte er eingehende Gespräche mit dem britischen Hochkommissar in Palästina, Lord Plumer.[2] Dabei berieten sie über die rasche Klärung gegenseitiger Regierungsinteressen, die Organisation regelmäßiger Verkehrsverbindungen und allgemeine Maßnahmen zur Sicherung des Wohlbefindens der Bevölkerung in den jeweiligen Mandatsgebieten.[2]

Trotz dieser britisch-französischen Kontaktpflege auf lokaler Ebene bestehen laut diplomatischen Kreisen gewisse Spannungen zwischen London und Paris. Nach Angaben des Daily Telegraph gibt es ernsthafte Meinungsverschiedenheiten zur syrischen Frage.[4] In London vertritt man die Ansicht, dass Frankreich nicht berechtigt sei, das neue Grenzabkommen mit der Türkei ohne ausdrückliche Zustimmung des Völkerbundes zu ratifizieren, da dadurch wesentliche territoriale Änderungen an dem syrischen Mandatsgebiet vorgenommen würden.[4] Der französische Vertreter Paul-Boncour hält dagegen, dass die Modifikationen der Grenzlinie durch das Angora-Abkommen von 1921 und den Vertrag von Lausanne bereits gedeckt seien.[4]

Die Unruhe in der Region beschränkt sich nicht allein auf das französische Einflussgebiet. Wie aus Bagdad gemeldet wird, griffen starke syrisch-arabische Stämme von etwa 2000 Mann das Gebiet des Irak an und attackierten dort einen Stamm, der zur Grenzsicherung eingeteilt war.[4][5] Britische Panzerspähwagen, unterstützt von Flugzeugen, die aus der Luft eingriffen, schlugen die Eindringlinge blutig zurück. Die flüchtenden Stämme ließen 45 Tote auf irakischem Boden zurück.[4][5] Britische Offiziere hatten zuvor ausdrücklich befohlen, den irakischen Stamm des Scheichs Habil nicht daran zu hindern, den Feind nicht über die Grenze nach Syrien zu verfolgen, um eine weitere Ausweitung des Konflikts zu vermeiden.[4][5]