Wie aus gut unterrichteten englischen Quellen hervorgeht, führt die italienische Regierung gegenwärtig in London Verhandlungen mit dem britischen Kolonialamt.[1] Gegenstand der diplomatischen Besprechungen ist die geplante Besiedlung des ehemaligen Deutsch-Ostafrika durch italienische Staatsangehörige.[1] Rom schlägt eine großzügige Ansiedlung von Kolonisten vor, die unter italienischer Kontrolle stehen und mit heimischem Kapital finanziert werden sollen.[1] Benito Mussolini hat in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Wunsch nach einer weitreichenden Verwaltungs- und Kulturautonomie für die künftigen Siedler geäußert.[1] Dem Vernehmen nach prüft das englische Kolonialministerium den in Rom entworfenen Siedlungsplan mit Wohlwollen.[1]

Die Verwirklichung der ehrgeizigen Pläne dürfte auf administrative Hindernisse vor Ort stoßen. Nach Berichten des Pariser Figaro haben die britischen Gouverneure von Kenia, Uganda und Tanganjika auf ihrer jüngsten Konferenz in Nairobi neue Richtlinien für die Kolonisation aufgestellt.[2] Demnach findet die Ansiedlung von Kleinbauern auf Parzellen von 100 Acres entschiedene Ablehnung, da die Verwaltung für diese Gruppe zu große wirtschaftliche Rückschläge befürchtet.[2] Die Mandatsmächte in Ostafrika wollen stattdessen nur kapitalkräftige Kolonisten fördern, die Konzessionen von 3000 Acres, also rund 1300 Hektar, übernehmen und aus eigener Kraft bewirtschaften können.[2] Ob sich Mussolinis Vorstellung einer gesteuerten italienischen Auswanderung mit diesen elitären Vorgaben der lokalen Verwaltung vereinbaren lässt, bleibt zweifelhaft.

Die diplomatischen Vorstöße in London stellen offensichtlich einen Teil der umfassenden afrikanischen Machtdemonstration der faschistischen Regierung dar. Das Berliner Tageblatt verweist auf die bevorstehende Reise Mussolinis nach Tripolis.[3] Dass der italienische Ministerpräsident als erster Regierungschef seines Landes mit ostentativem Gepränge und einer vollständigen Flottendivision in Nordafrika erscheint, soll nicht nur der eigenen Kolonie, sondern dem gesamten afrikanischen Kontinent die neue Stärke Italiens unmissverständlich vor Augen führen.[3]