Ein neues Kapitel in der Geschichte der elektrischen Nachrichtenübermittlung wurde in der vergangenen Nacht aufgeschlagen. Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung meldet, gelang die erste erfolgreiche Bildfernübertragung mit dem deutschen System Telefunken-Karolus von Berlin nach Wien.[1] Für dieses historische Ereignis stellten hochrangige Persönlichkeiten spezielle Autogramme zur Verfügung, darunter Reichspostminister Stingl, Staatssekretär Dr. Bredow, der österreichische Gesandte Dr. Frank, Dr. h. c. Franke, Geheimrat Dr. h. c. Karl Friedrich von Siemens sowie Direktor Dr. h. c. Graf von Arco.[1]

Der Sender war in den Laborräumen der Telefunkengesellschaft installiert.[1] Von dort aus steuerte man über eine Freileitung den 20-Kilowatt-Sender in Königs Wusterhausen, während der Bildempfänger in der Empfangsstelle der Radio-Austria auf dem Laarberg in Wien aufgestellt war.[1] Die Übertragungen sind laut den Berichten ausgezeichnet gelungen und markieren einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Bildtelegrafie.[1] Jahrzehntelang war es nur möglich gewesen, schwarz-weiße Bilder und Schriften über herkömmliche Telegrafenleitungen zu senden. Nunmehr machte das Karolus-Telefunken-System nach vielen Versuchen die drahtlose Bildübertragung erst praxisreif.[1]

Der Kern dieser technischen Neuerung, die bereits im Januar in Fachkreisen ausführlich beschrieben wurde, liegt in der Schaffung eines neuartigen optischen Mikrofons, das Lichtschwankungen in elektrische Stromschwankungen umzuwandeln vermag.[1] Am Empfänger sorgt ein praktisch trägheitsloses Lichtrelais dafür, dass diese elektrischen Impulse wieder in Licht übersetzt werden.[1] Mit dieser Kombination wird erstmals die Fernübertragung alltäglichen Bild- und Schriftmaterials möglich.[1] Die beteiligten Wissenschaftler und Techniker sind sich bewusst, dass ein echtes Fernsehen noch fernliegt; gleichwohl stellt die erfolgreiche Durchführung der drahtlosen Bildfernübertragung einen entscheidenden Schritt in diese Richtung dar.[1]