Auf ihrer diesjährigen Jahresversammlung in London hat die britische Unabhängige Arbeiterpartei ihren politischen Kurs radikalisiert.[1] Zum Abschluss der Konferenz nahm die Versammlung mit großer Mehrheit ein neues Programm an, das die beschleunigte Einführung der sozialistischen Gesellschaftsordnung fordert.[1]

Wie die Kölnische Zeitung berichtet, zielen die innenpolitischen Beschlüsse auf eine gerechtere Verteilung des Volkseinkommens ab.[1] Dies soll dadurch erreicht werden, dass der Arbeiterklasse aus direkten Steuern finanzierte Zuschüsse gezahlt werden, welche sich streng nach der Kopfzahl des jeweiligen Haushalts richten.[1] In der bürgerlichen Presse sowie in gemäßigten Kreisen der Labour Party werden diese Vorstöße allerdings eher spöttisch aufgenommen und als ohnmächtiger Einspruch gegen die Entwicklung zum pragmatischen Zweiparteiensystem gewertet.[1] Eine Änderung dieser Entwicklung könne demnach höchstens durch eine massenhafte Radikalisierung der Bevölkerung infolge eines drohenden Ausstandes in der britischen Kohlenindustrie herbeigeführt werden.[1]

Von bedeutend größerer internationaler Tragweite sind jedoch die außenpolitischen Forderungen, die der Nationalrat in der Schlusssitzung als Entschließung vorlegte.[2] Dem Hamburger Echo zufolge tritt die Partei unmissverständlich für eine Revision des Versailler Vertrages ein.[2] Sie verlangt nicht nur die vollständige Zurückziehung der Reparationsforderungen an Deutschland, sondern auch die gegenseitige Streichung aller Kriegsschulden sowie die uneingeschränkte Aufnahme politischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu Sowjetrussland.[2] Ferner fordert die Resolution den sofortigen Abzug der britischen Truppen aus Ägypten sowie die Beendigung der Besatzung im Irak.[2]

Um einem künftigen Krieg vorzubeugen, plädiert die Unabhängige Arbeiterpartei für die Einberufung einer Weltkonferenz der sozialistischen Arbeiter und der Kooperativen Internationale.[2] Die Arbeiterschaft wird aufgerufen, jeder Kriegsdrohung durch organisierten allgemeinen Widerstand — einschließlich der Weigerung, Waffen zu tragen oder herzustellen — entgegenzutreten.[2] Der Delegierte Fenner Brockway unterstrich diese Haltung mit scharfen Angriffen auf die gegenwärtige Friedensordnung.[2] Er erklärte, der Völkerbund besitze „auch nicht den Schein internationaler Autorität“.[2] In ganz Europa bildeten sich neue Bündnisse, die unvermeidlich in einen künftigen Krieg münden würden; die Partei habe die Gefahren des Locarnovertrages klar erkannt.[2]