Die drängende Wohnungsnot in der sowjetischen Hauptstadt hat die höchsten staatlichen Stellen zu einem raschen Eingreifen veranlasst, nachdem sich die städtebauliche Situation in den vergangenen Monaten zusehends verschärft hatte. Wie die Prawda meldet, befasste sich das Präsidium des Zentralexekutivkomitees in seiner jüngsten Sitzung ausführlich mit einem detaillierten Bericht des Moskauer Stadtsowjets. Dieser offenbarte die prekäre Wohnungslage ungeschönt.[1]

Aus dieser Beratung gehen strikte Direktiven für den künftigen städtischen Wohnungsbau hervor.[1] Die obersten Behörden fordern eine weitaus präzisere Erfüllung der Bauverträge zwischen dem sogenannten ‚Mossovet' und den örtlichen Wohnungsbaugenossenschaften.[1] Im Vordergrund steht dabei insbesondere die Instandsetzung stark vernachlässigter Häuser. Der chronische Mangel an geeignetem Baumaterial bremst die Bemühungen jedoch erheblich.[1] Dennoch erhofft man sich durch eine straffere kommunale Leitung und eine bessere Überwachung der Genossenschaften eine spürbare Linderung der allgegenwärtigen Raumnot.[1]

Um diese umfangreichen architektonischen Herausforderungen zu meistern und das ins Stocken geratene Bauprogramm durch westliches Fachwissen voranzubringen, zieht die Moskauer Stadtverwaltung nun namhafte deutsche Expertise heran. Dem Vorwärts zufolge ist der ehemalige Magdeburger Stadtbaumeister Bruno Taut nach Russland abgereist.[2] Der für seine farbigen Fassadengestaltungen und neuartigen Siedlungsbauten bekannte Architekt folgt einem offiziellen Ruf der sowjetischen Administration an die Moskwa.[2] Tauts Vertrag ist nach Angaben des Blattes vorerst auf ein Jahr befristet.[2] Die Verpflichtung eines profilierten Vertreters des modernen deutschen Siedlungsbaus unterstreicht den Willen der Sowjetstellen, die ungelöste Wohnungsfrage mit systematischen Projekten zu überwinden.