Über die Möglichkeit eines nahen Friedens in Marokko zirkulieren in der französischen Hauptstadt die widersprüchlichsten Meldungen.[1] Während auf französischer Seite die Neigung wächst, die Feindseligkeiten rasch zu beenden, hält Spanien den gegenwärtigen Augenblick für ungeeignet, offizielle Friedensverhandlungen aufzunehmen.[1] Die unterschiedliche militärische Lage auf dem Schauplatz begründet diese Differenz: Den französischen Truppen ist es gelungen, ihre Zone zum größten Teil von den Rifkabylen zu säubern. Dagegen sind weite Gebiete der spanischen Zone noch immer der Kontrolle Madrids entzogen.[1] Nachdem in Madrid Befürchtungen wegen eines angeblich unabhängigen französischen Vorgehens laut wurden, führte der Ministerpräsident eine längere Unterredung mit dem spanischen Botschafter.[1][2] In Paris wird nachdrücklich versichert, dass Verhandlungen ausschließlich im gemeinsamen Einvernehmen geführt werden sollen, da Frankreich vertraglich gebunden sei, keinen Sonderfrieden mit Abd el Krim zu schließen.[1][3]

Die diplomatische Verstimmung in Madrid rührt auch daher, dass der Rif-Führer sich konsequent weigert, direkt mit den Spaniern in Verbindung zu treten.[3] Ein offizieller Abgesandter Abd el Krims soll zwar unlängst in Rabat erschienen sein; jedoch wird dieser Depesche in Regierungskreisen wenig Bedeutung beigemessen. Sie gilt vielmehr als diplomatisches Beruhigungsmittel für die spanischen Verbündeten.[3] Derweil mehren sich die Anzeichen für eine innere Krise bei den Aufständischen. Nach Berichten aus Eingeborenenkreisen sind ernste Meinungsverschiedenheiten zwischen Abd el Krim und seinem Bruder ausgebrochen.[3] Ursache des Zerwürfnisses ist der Abfall einzelner Stämme — insbesondere der Ghomara —, die den bewaffneten Kampf nicht weiter fortsetzen wollen.[3]

In der Pariser Tagespresse wird die Lage überaus hitzig debattiert. Während linke Blätter die zögerliche Note der spanischen Regierung bedauern, fordern rechtsgerichtete Organe militärische Härte.[4] Dem Figaro zufolge verweist die Action Française auf die Historie des Maghreb und fordert, Abd el Krim schlicht unschädlich zu machen, da er kein nationaler Vorkämpfer, sondern ein bloßer Rebell sei.[4] In der Zeitung L'Avenir äußert Emile Bure die nachdrückliche Warnung an den Ministerpräsidenten, keinen Frieden der Kapitulation zu unterzeichnen, da ein solcher Schritt das größte Kriegsrisiko für Nordafrika in sich berge.[4]