Wie die Wiener Zeitung berichtet, nimmt der Sprachenstreit in Mährisch-Ostrau an Schärfe zu, da die tschechoslowakische Regierung die Tschechisierung der Stadt entschlossen vorantreibt.[1] Die deutsche Sprache wird systematisch aus dem öffentlichen Raum sowie den Amtsstuben verdrängt, nachdem in der Kommunalverwaltung das Tschechische als alleinige Geschäftssprache eingeführt worden ist.[1]

Einem Bericht des Westfälischen Merkurs zufolge stößt diese Entwicklung bei der deutschsprachigen Minderheit auf erheblichen Widerstand. Die Mitglieder der Minderheit empfinden ihre verbrieften kulturellen Rechte als massiv beschnitten.[2] Die Industriestadt — traditionell von einem starken deutschen und polnischen Bevölkerungsanteil geprägt — verliert dadurch zusehends ihren mehrsprachigen Charakter.[1] Prager Behördenvertreter rechtfertigen die strikten sprachpolitischen Maßnahmen als notwendigen Schritt zur administrativen Vereinheitlichung der jungen Republik.[2]

In den Reihen der betroffenen Minderheiten wächst dennoch die Sorge vor einem vollständigen Verlust ihrer institutionellen Verankerung.[1] Die drastische Verdrängung der deutschen Sprache aus dem Schulwesen und der Rechtsprechung zeigt deutlich, dass die Prager Zentralregierung den tschechischen Charakter des wichtigen Wirtschaftsstandortes endgültig festigen will.[2]