Die ungarische Innenpolitik steht weiterhin unter dem Schatten der jüngsten Ereignisse. Wie die Badische Presse berichtet, hat sich das politische Klima in Budapest durch die Rückkehr ehemaliger Exilanten geringfügig verschoben.[1] So ist Martin Lovaszy, der im Jahr 1918 als Unterrichtsminister im Kabinett von Graf Mihály Károlyi amtierte, kürzlich in seine Heimat zurückgekehrt.[1] Nachdem Lovaszy jahrelang als Journalist aus dem Ausland gegen das gegenwärtige System von Ministerpräsident István Bethlen polemisiert hatte, wurde ihm nun Verzeihung gewährt.[1] Auch über eine mögliche Rückkehr des gemäßigten Sozialdemokraten Ernst Garami, der sich abwechselnd in Wien und Paris aufhält, wird spekuliert, obwohl die Regierung entsprechende Gerüchte dementiert.[1]
Lovaszy findet in Ungarn jedoch keineswegs ungetrübte politische Verhältnisse vor.[1] Die innen- und außenpolitischen Spannungen, ausgelöst durch die Frankenfälscher-Affäre, sind nach wie vor bestimmend.[1] Die strafrechtliche Untersuchung, die nunmehr seit über drei Monaten andauert, konnte bisher noch nicht abgeschlossen werden.[1] Unterdessen erhöhen die französischen Behörden, deren Land als Hauptgeschädigter gilt, den Druck auf die ungarische Justiz.[1] Die französische Seite hat unlängst eine neue Eingabe an die Budapester Staatsanwaltschaft übermittelt. Darin wird die Beantwortung von nicht weniger als 16 detaillierten Fragen verlangt.[1]
Obwohl die internationale Anteilnahme an der ursprünglich so aufsehenerregenden Frankenverschwörung in der ausländischen Presse zuletzt merklich nachgelassen hat — das europäische Publikum verlangt nach neuen Themen —, rechnen Beobachter damit, dass der anstehende Prozess noch weitere Überraschungen zutage fördern könnte.[1] Trotz der schwindenden öffentlichen Berichterstattung bleibt die Aufklärung des Skandals eine drängende Aufgabe für das Budapester Kabinett.[1]