Die langwierigen Auseinandersetzungen um die Zukunft des städtischen Schnellverkehrs sind in eine entscheidende Phase getreten.[1] Wie aus der heutigen Generalversammlung der Berliner Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen hervorgeht, haben die Hochbahngesellschaft und die Stadt Berlin eine weitreichende Einigung erzielt.[1] Zwar wurde die Sitzung mit einer halbstündigen Verspätung eröffnet, da hinter verschlossenen Türen bis zuletzt über den Kompromiss verhandelt wurde. Doch das nun vorliegende Ergebnis verspricht eine grundlegende Neugestaltung der Verkehrsverhältnisse.[2]
Laut dem Vorwärts sieht der Vertragsentwurf vor, sämtliche in Groß-Berlin existierenden Schnellbahnen zu einer einzigen Gesellschaft zusammenzulegen.[2] Konkret bedeutet dies, dass die Nordsüdbahn sowie die Schöneberger Bahn der Hochbahngesellschaft eingegliedert werden.[1] Das Berliner Tageblatt präzisiert, dass der Magistrat nicht das gesamte Unternehmen sofort ankauft, sondern zunächst mit einer erdrückenden Majorität der Aktien operieren wird.[1] Zur Finanzierung dieser Zusammenlegung wird das Aktienkapital der neuen Gesellschaft um 69 Millionen Reichsmark erhöht.[2] Die bisher stark umstrittenen Vorratsaktien, wegen deren Existenz zahlreiche Prozesse zwischen der Stadt und der Gesellschaft geführt wurden, werden ersatzlos gestrichen.[2]
Den unabhängigen Aktionären wird eine finanzielle Brücke gebaut: Wer das städtische Angebot annimmt, tritt seinen Dividendenanspruch an den Magistrat ab.[1] Im Gegenzug garantiert die Stadt für die kommenden fünf Jahre eine feste Dividende von sieben Prozent.[2] Zudem erhalten die Anteilseigner eine unverzinsliche Barzahlung von 200 Reichsmark pro Aktie, die in Raten auf fünf Jahre verteilt ausgezahlt wird.[2] Nach Ablauf dieser Frist, also ab dem Jahr 1931, ist die Stadt berechtigt, die Papiere nach dreimonatlicher Kündigung zum Nennwert zuzüglich der aufgelaufenen Zinsen vollständig zu übernehmen.[1]
Die Atmosphäre auf der Generalversammlung war dementsprechend von überraschender Versöhnlichkeit geprägt.[1] Der Jahresabschluss für 1925 wurde ohne Debatten genehmigt.[1] Die Stadtgruppe enthielt sich zwar aus prozessualen Gründen der Stimme, gab jedoch keinen Protest zu Protokoll.[1] Lediglich ein einzelner Kleinaktionär namens Busch versuchte, gegen die weitreichenden Beschlüsse zu widersprechen, allerdings mit dem bescheidenen Gewicht von ganzen drei Aktien.[1]