Am 13. April startete das Luftschiff „Norge“ der Amundsen-Ellsworth-Polarexpedition um 23.40 Uhr vom englischen Flughafen Pulham in Richtung Norden.[1][2] Nach einer ruhigen Nachtfahrt über die Nordsee wurde die „Norge“ am frühen Morgen des folgenden Tages gegen 5 Uhr über Jütland gesichtet.[3] Wie die Wiener Zeitung berichtet, überflog das Luftschiff um 7.10 Uhr Thyborön an der dänischen Westküste und setzte seinen Kurs nordwärts fort.[2] Gegen 8 Uhr passierte es das südnorwegische Kristiansand.[3] Dem Figaro zufolge erreichte das Luftschiff schließlich am frühen Mittwochnachmittag gegen 13.45 Uhr die norwegische Hauptstadt Oslo.[1] Die Landung bereitete durch den herrschenden Wind erhebliche Schwierigkeiten, da die große Hülle des Fahrzeugs den Böen stark ausgesetzt war.[1][4] Nach Angaben der spanischen Zeitung El Sol hatten sich zuvor auch auf dem Flugplatz nahe Seddin in Pommern die Militärbehörden auf eine mögliche Zwischenlandung vorbereitet, die jedoch nicht eintrat.[4]
In Oslo war der Empfang sehr festlich. Laut Berichten der Washington Post senkte die „Norge“ beim Überfliegen von Amundsens Haus am Fjord, das unweit der Hauptstadt liegt, zum Gruß die Flagge.[5] König Haakon verfolgte die Ankunft von den Fenstern des Palastes aus. Parlamentsmitglieder und Ministerpräsident Lykke hatten sich auf dem Dach des Stortings versammelt.[5] Nach dem schwierigen Ankermanöver begab sich der Monarch in Begleitung des Verteidigungsministers sogleich zum Luftschiff, um die neunzehnköpfige Besatzung willkommen zu heißen.[1][4][3] Die Ansprache des Königs fand lebhaften Beifall.[1]
Ein bedeutsames Thema der Polarexpedition ist die staatliche Zuordnung bisher unentdeckter Gebiete. Wie die Wiener Zeitung meldet, erklärte Amundsen gegenüber der norwegischen Hauptstadtpresse, er sei von Staatsminister Lykke offiziell beauftragt worden, im Zuge des Polarfluges neu entdecktes Land für das Königreich Norwegen zu annektieren.[2] Der Figaro bestätigt, dass die norwegische Regierung dem Entdecker hierfür die entsprechende Vollmacht erteilt hat.[1] Dabei stellte Amundsen klar, dass er nicht beabsichtige, am Nordpol zu landen.[1] Er werde das Luftschiff nur auf das Eis hinabführen, wenn zwingende Umstände hierzu drängten.[1] Müsste die Besatzung tatsächlich am Pol niedergehen, dürfe man vor Oktober oder November keine neuen Nachrichten erwarten; nach den vorliegenden Einschätzungen bestünde in einem solchen Fall jedoch kein Anlass zur Besorgnis.[1]
Die weitere Route führt die Expedition nun nach Osten. Nach einer kurzen Rast und der erforderlichen Übernahme von Gas, Wasser und Benzin sollte die Fahrt in Richtung Leningrad fortgesetzt werden.[1] Aus dem Hufvudstadsbladet geht hervor, dass das Luftschiff auf dieser Etappe voraussichtlich die finnische Hauptstadt Helsinki überfliegen wird.[3] Die finnischen Luftstreitkräfte haben beschlossen, eine eigene Flugeskader zu entsenden, um die „Norge“ zu eskortieren und den Polarfahrern eine ehrenvolle Begleitung zu bieten.[3] Die meteorologischen Bedingungen zwangen jedoch nach der Überfahrt aus England zu einem raschen Aufbruch, obgleich die Besatzung stark übermüdet war.[1] Ein längerer Aufenthalt am Osloer Ankermast wäre nach Ansicht der Wetterkundigen mit großen Gefahren verbunden gewesen.[1][4] Die Washington Post meldet, dass das Luftschiff schließlich in der Nacht zum Donnerstag um 2.10 Uhr die Reise nach Sowjetrussland wieder aufnahm.[5]
Der weltweite Blick richtet sich auf die arktische Luftraumerschließung. Inzwischen beabsichtigt auch der Entdecker George Hubert Wilkins, der mit Flugzeugen von Point Barrow in Alaska startet, einen Vorstoß über das Eismeer in Richtung Spitzbergen.[5] Er bleibt jedoch zunächst am Boden, da eine Verletzung an der Hand, die er sich bei der Bedienung seiner Maschine zuzog, erst ausheilen muss.[5]