Wie das Hamburger Echo meldet, ist eine Abteilung italienischer Truppen im Gebiet von Nogal in der nördlichen Zone des italienischen Somalilandes gelandet.[1] Ziel der Militäroperation ist es, die bislang oft nur nominelle Oberhoheit Italiens in eine unmittelbare Herrschaft umzuwandeln.[1][2] Dem Pariser Figaro zufolge verließ das Truppenkontingent die Hauptstadt Mogadischu an Bord des Transportschiffes Alessandretta, das von dem Kreuzer Campania eskortiert wurde.[3] Die Landung erfolgte an der Küste von Illig. Sie wird durch einen zeitgleichen Vormarsch von Gariban und Garad in das Nogaltal unterstützt.[3] Bisher sei bei diesen Truppenbewegungen kein nennenswerter Widerstand der einheimischen Bevölkerung zu verzeichnen gewesen.[3]

Das Vorgehen fügt sich in die verschärfte Kolonialpolitik der Regierung unter Benito Mussolini ein. Bereits Ende 1925 stießen die italienischen Behörden bei der Geltendmachung ihres Protektorats in den nördlichen Sultanaten Obbia und Mijurtin auf erheblichen Widerstand, der erst mit Waffengewalt gebrochen werden musste.[4] Inzwischen hat im Sultanat Obbia jeder Widerstand aufgehört.[3] Der frühere Herrscher, Ex-Sultan Ali Jussuf, hält sich nunmehr am Regierungssitz in Mogadischu auf.[3] Auch im Sultanat Mijurtin haben die Aufständischen ihre Angriffe auf die Küstenstützpunkte eingestellt. Sultan Osman Mahmud hat Berichten zufolge seine Absicht bekundet, sich den neuen Machtverhältnissen zu beugen.[3] Die Inbesitznahme des Nogalgebietes bildet somit den militärischen Abschluss der Besetzung ganz Nordsomalias.[3]

Aus dem Helsingin Sanomat geht hervor, dass das gesamte italienische Kolonialgebiet in Ostafrika eine Fläche von rund 400.000 Quadratkilometern umfasst. Damit übertrifft es das Mutterland in seiner Ausdehnung bei Weitem.[5] Dennoch leben dort — Italien hatte erste Gebiete an der Küste bereits im Jahre 1891 erworben — neben etwa 450.000 Einheimischen lediglich 700 Europäer.[5] Die diplomatischen Wurzeln der gegenwärtigen Offensive reichen in die Zeit des Ersten Weltkrieges zurück. Im Londoner Abkommen von 1915 hatte die britische Regierung den Italienern afrikanisches Territorium an der Somaliküste zugesichert.[4] Großbritannien zögerte jedoch lange mit der Umsetzung dieser territorialen Zusagen.[4] Erst auf massives Drängen Roms überließ London den Italienern die verbrieften Protektoratsgebiete im Somaliland vollständig.[4]

Die Konsolidierung der italienischen Macht am Horn von Afrika wird international aufmerksam verfolgt, zumal sie mit diplomatischen Vorstößen in angrenzenden Regionen einhergeht. Nach Angaben der Londoner Daily News finden derzeit umfangreiche Besprechungen zwischen der britischen und der italienischen Regierung über ihre jeweiligen Interessen in Abessinien statt.[1] Diese Verhandlungen rufen auf dem europäischen Kontinent erhebliche Irritationen hervor. In der Auslandspresse wurde wiederholt angedeutet, das eigentliche Ziel dieser Gespräche sei eine Aufteilung des Kaiserreichs in wirtschaftliche Einflusszonen zwischen Italien und Großbritannien.[1] Abessinien ist jedoch ein unabhängiger Staat und Völkerbundmitglied, dessen territoriale Unversehrtheit vertraglich garantiert ist.[1]