Wie das Berliner Tageblatt aus Londoner diplomatischen Kreisen meldet, hat ein neuerlicher Erlass des Königs Ibn Saud unter den mohammedanischen Pilgern große Erregung hervorgerufen.[1] In Zukunft ist die rituelle Verehrung des sogenannten „Grabes der Eva“, eines der weniger bekannten Wallfahrtsorte im Hedschas, durch behördliche Anordnung strengstens untersagt.[1]
Bisher war es nach alter Sitte vor allem heiratswilligen Mädchen und kinderlosen Frauen gestattet, diese historische Stätte aufzusuchen und dort ihre Bitten um familiären Segen vorzubringen.[1] Die nun herrschenden Wahabiten stellen sich jedoch auf den unerbittlichen Standpunkt, dass sich jedwede Verehrung eines weltlichen Grabes mit ihrer orthodoxen religiösen Auffassung nicht vereinbaren lässt.[1] Der strenge Erlass markiert einen weiteren Schritt zur Durchsetzung ihrer puritanischen Lehre an den heiligen Stätten der Arabischen Halbinsel.
Die kompromisslose Umsetzung solch dogmatischer Maßnahmen dürfte dem Monarchen derzeit umso leichter fallen, da seine politische Machtstellung unlängst erheblich gefestigt wurde.[1] Seine unumstrittene Position als König des Hedschas ist durch ein mit dem Imam Jchia von Jemen kürzlich geschlossenes Übereinkommen außerordentlich gestärkt worden.[1] Dem Vernehmen nach wird sich der Jemen künftig durch einen ständigen, bevollmächtigten Gesandten am Hofe Ibn Sauds vertreten lassen. Dies besiegelt die diplomatische Anerkennung der neuen Machtverhältnisse in Arabien.[1]