Die jüngsten statistischen Erhebungen über die fremdsprachigen Minderheiten in Preußen zeichnen ein klares Bild der sprachlichen Verschiebung seit der Vorkriegszeit.[1] Wie die Kölnische Zeitung unter Berufung auf neues amtliches Zahlenmaterial meldet, ist in den gemischtsprachigen Gebieten ein markanter Rückgang der rein fremdsprachigen Bevölkerungsteile festzustellen.[1]
Besonders aufschlussreich sind die demografischen Entwicklungen in Oberschlesien. In neunzehn dortigen Kreisen fiel die Zahl der Personen mit ausschließlich polnischer Muttersprache von 579.000 im Jahr 1910 auf nunmehr 155.000 im Jahr 1925.[1] Dagegen erlebte die Gruppe der Personen, die sowohl Deutsch als auch Polnisch als Muttersprache angeben, einen erheblichen Zuwachs: Ihre Zahl stieg im selben Zeitraum von 51.000 auf 374.000 Personen.[1]
Ein ähnliches Bild ergibt sich für die westlichen Industriegebiete. Im Ruhrgebiet wurde die Auszählung auf die drei Kreise mit der stärksten polnischen Durchdringung von 1910 beschränkt. Dort sank die Zahl der ausschließlichen Polen auf nahezu ein Zehntel.[1] Fasst man in diesen Kreisen die polnischsprachigen und zweisprachigen Einwohner zusammen, so kam diese Bevölkerungsgruppe auf ein Drittel bis ein Viertel ihres früheren Bestandes.[1] Für die dänische Minderheit in Nordschleswig lassen sich analoge Rückgangstendenzen beobachten.[1]
Die Auswertung zeigt ferner, dass in keinem der gemischtsprachigen Gebiete die fremdsprachigen Minderheiten heute noch das Übergewicht besitzen.[1] Selbst in Oberschlesien gaben lediglich 43 Prozent der Bevölkerung Polnisch oder beide Sprachen als Muttersprache an, während mehr als die Hälfte ausschließlich Deutsch als Muttersprache angab.[1] Der überwiegend deutsche Charakter dieser Grenzregionen wird durch eine weitere statistische Tatsache unterstrichen: Der weitaus größte Teil der fremdsprachigen Personen versteht die deutsche Sprache vollkommen.[1]