In der Tschechoslowakei vollzieht sich gegenwärtig unter dem Eindruck gefährlicher innenpolitischer Spannungen — die von anhaltenden Gerüchten über einen drohenden Staatsstreich genährt werden — eine vorsichtige Annäherung zwischen der Regierung und den maßgeblichen Parteien.[1] Das Kabinett unter der Führung von Ministerpräsident Cerny (Jan Černý) stand zuletzt unter erheblichem Druck, konnte nun jedoch erste Erfolge bei der Konsolidierung der Lage verzeichnen.[1]
Eine Schlüsselrolle in den jüngsten Verwicklungen spielen die tschechoslowakischen Nationalsozialisten.[1] Deren Parteiführer, der Abgeordnete Stribrny, hatte vor kurzem sämtliche Beziehungen zur Regierung Cerny abrupt abgebrochen, was die politische Lage in der Hauptstadt massiv verschärfte.[1] Nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung fand nun eine bedeutsame Sitzung unter Leitung des Kabinettschefs statt.[1] An dieser Unterredung nahmen Vertreter der Fraktion teil. Dabei kam es überraschend zu einer Entspannung und faktischen Annäherung an die Regierungslinie.[1]
Die personelle Konstellation dieser Verhandlungen birgt jedoch eine bemerkenswerte Nuance. Stribrny selbst wohnte der wichtigen Zusammenkunft nicht bei, sondern ist derweil nach Italien abgereist.[1] Offiziellen Angaben zufolge verfolgt diese Reise einen privaten Zweck: Er beabsichtigt angeblich, den erkrankten ehemaligen Ministerpräsidenten Svehla in Sizilien aufzusuchen.[1]