Das für die Nordpolexpedition Roald Amundsens bestimmte Luftschiff „Norge“ hat auf seiner Überführungsfahrt einen weiteren wichtigen Etappenort erreicht.[1] Wie die Kölnische Zeitung meldet, landete das Gefährt nach einem schwierigen und von dichten Nebelbänken geprägten Flug erfolgreich auf dem Flugfeld von Salisi bei Gatschina, das heute den Namen Trotsk trägt.[2] Das aus Oslo kommende Luftschiff traf am Donnerstagabend gegen 20 Uhr ein und konnte zwei Stunden später sicher in die vorbereitete Halle eingebracht werden.[1]

Die Fahrt von der norwegischen Hauptstadt nach Nordrussland erwies sich als außerordentliche Belastungsprobe für Mensch und Material.[1] Nach Berichten der Helsingin Sanomat verließ die „Norge“ Oslo um 1 Uhr nachts.[1] Einen Großteil des Fluges musste das Luftschiff teils im, teils über dem Nebel navigieren. Dadurch nahm die Besatzung zunächst an, sie befinde sich noch über Finnland.[2] Erst am Nachmittag klärte sich das Wetter etwas auf. Das Luftschiff ging auf 100 Meter hinab; dabei stellte die Besatzung fest, dass sie die Grenze zwischen Estland und Lettland bei Walk erreicht hatte.[1] Oberst Umberto Nobile, Kommandant und Konstrukteur des Luftschiffs, war bei der Ankunft sichtlich erschöpft. Seine erste Bitte an den italienischen Konsul in Leningrad galt einem warmen Raum.[1]

Um die Nutzlast des Luftschiffs für den entscheidenden Polflug auf etwa zehn Tonnen zu erhöhen, wurden vor dem Start in Rom umfangreiche Änderungen vorgenommen.[1] Sämtliche Einrichtungsgegenstände, die der Bequemlichkeit gedient hätten, wurden entfernt. Dadurch ist die Kabine nun ungleich kälter und ungemütlicher, eine ununterbrochene Fahrzeit von bis zu sechzig Stunden wird jedoch ermöglicht.[1]

Der weitere Verlauf der Expedition nimmt nun konkrete Formen an. Nach Angaben der Prawda reisten Nobile und Teile der Besatzung gestern nach Leningrad. Währenddessen herrscht in Trotsk großer Andrang von Exkursionen, die das Luftschiff besichtigen wollen.[3] In Salisi wird das Schiff voraussichtlich sieben Tage verbleiben, um neues Wasserstoffgas aufzunehmen.[1] Der stellvertretende Expeditionsleiter Hjalmar Riiser-Larsen erklärte gegenüber der sowjetrussischen Presse, dass der Weiterflug nach Spitzbergen für den 21. April vorgesehen sei, sofern die Witterung es zulasse.[3] Von dort aus rechnet man mit einer Flugzeit von fünfzehn Stunden bis zum Nordpol.[3] Eine Landung auf dem Eis ist nicht geplant; das Luftschiff soll lediglich die Geschwindigkeit verringern und tief über den Pol fliegen, um wissenschaftliche Beobachtungen anzustellen und Flaggen abzuwerfen.[3] Danach wird die „Norge“ die restliche Strecke bis nach Alaska voraussichtlich in 25 Stunden zurücklegen.[3] Für den Fall einer unvorhergesehenen Notlandung führt die Expedition ausreichend Proviant und Skier mit, mit denen sich die Beteiligten über das Eis in Sicherheit bringen können.[3]