Die innerparteilichen Auseinandersetzungen der Kommunistischen Partei Deutschlands haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie der Vorwärts unter Berufung auf die kommunistische Parteipresse berichtet, hat eine Konferenz der verantwortlichen Parteisekretäre und Redakteure tiefgreifende personelle Säuberungen beschlossen.[1] Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht der endgültige Ausschluss der Reichstagsabgeordneten Karl Korsch und Ernst Schwarz sowie des sogenannten Katz.[1]

Die Parteiführung wirft der Gruppe um Korsch offene konterrevolutionäre Oppositionstätigkeit vor und erklärt, dass sich diese dadurch selbst außerhalb der kommunistischen Reihen gestellt habe.[1] Die Abtrünnigen werden scharf angegriffen und als „frischgebackene Agenten Chamberlains“ bezeichnet, deren Argumentation der russischen weißgardistischen Emigration gleiche.[1] Korsch hat jedoch abgelehnt, sein von der Partei anvertrautes Reichstagsmandat niederzulegen. Die Konferenz fordert hingegen die rasche Auflösung dieses antibolschewistischen Grüppchens.[1]

Die personelle Bereinigung beschränkt sich nicht auf die Gruppe Korsch-Schwarz. Das nächste erklärte Ziel der Zentrale ist die Beseitigung der Fraktion um Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Hugo Urbahns.[1] Dem Vorwärts zufolge wird diese Gruppe in der KPD nunmehr als das „schwankendste, haltloseste Element“ bezeichnet und als Schrittmacher des Reformismus verurteilt.[1] Ihr wird eine „vulgäre Vergröberung der alten menschewistischen Theorien“ sowie eine vom Kommunismus abweichende Ideologie vorgeworfen.[1] Der formelle Ausschluss dieser einst bestimmenden ultralinken Führer steht offenbar unmittelbar bevor.[1]

Zugleich erfolgt eine bezeichnende Rehabilitierung des zuvor verfemten rechten Flügels der Partei. So wurde Ernst Meyer offiziell wieder aufgenommen, und auch die früheren Anhänger Brandlers kehren schrittweise zurück.[1] Diese wesentliche Kursänderung, die durch einen Brief der Komintern angestoßen wurde, verdeutlicht den Willen Moskaus, die deutsche Sektion zu einer straffer kontrollierten Linie zu verpflichten.[1] Da der Einfluss in den Gewerkschaften begrenzt ist, bleibt offen, wie die Anhängerschaft diesen dogmatischen Richtungsstreit aufnehmen wird.[1]