Das Generalsekretariat des Völkerbundes hat die offizielle Antwort der Vereinigten Staaten bezüglich eines Beitritts zum Ständigen Internationalen Gerichtshof erhalten.[1] Wie die in Madrid erscheinende Tageszeitung El Sol meldet, bestätigt das Dokument in unmissverständlicher Form die bisherige, von starker Zurückhaltung geprägte Haltung der Regierung in Washington.[1] Zwar werde ein amerikanischer Delegierter nach Genf entsandt, jedoch halte die nordamerikanische Republik strikt an spezifischen Vorbehalten fest.[1]

Aus dem Berliner Tageblatt geht hervor, in welch rigider Form das Parlament in Washington seine Forderungen formuliert hat. Der amerikanische Senat hat seine grundsätzliche Zustimmung von Bedingungen abhängig gemacht, die vollkommen klar und eindeutig gefasst seien.[2] Die Vorbehalte des Senats gelten als unabänderlich.[2] Bevor ein formeller Beitritt der Vereinigten Staaten zum Weltgerichtshof überhaupt erfolgen könne, müssten sämtliche 48 bisherigen Signatarstaaten die amerikanischen Bedingungen ausnahmslos akzeptieren.[2]

Besonders bemerkenswert ist die verfahrenstechnische Haltung der amerikanischen Regierung, die offenbar bewusst eine multilaterale Lösung meidet. Die Zustimmung der übrigen Mächte soll nicht auf einer gemeinsamen Konferenz, sondern auf dem Weg des bilateralen Notenaustausches eingeholt werden.[2] Ein neues formelles Abkommen hält man im Kapitol für entbehrlich, da die einfache Annahme der amerikanischen Bedingungen durch die Signatarstaaten juristisch mit einem solchen Abkommen gleichbedeutend sei.[2] Dementsprechend gedenkt das Außenministerium in Washington, die offenen Fragen direkt und einzeln mit jedem Mitgliedsstaat des Völkerbundes zu verhandeln.[1] Etwaige Unterredungen der Signatarstaaten untereinander berühren die amerikanische Position dabei nicht.[2]