In der alten Türkei der Vorkriegszeit stellte die Bevölkerung ein regelrechtes ethnografisches Museum dar.[1] In Gebieten wie Konstantinopel und Thrazien waren Griechen und Bulgaren teils ebenso zahlreich vertreten wie Türken, während im asiatischen Teil Araber, Kurden, Tscherkessen, Armenier und andere Völker in der Summe die türkische Bevölkerungszahl überstiegen.[1] Das alte Reich verstand sich nicht als rein türkischer Nationalstaat, sondern als Sammelbecken verschiedenster Völker unter mohammedanischer Herrschaft. Auch Nichttürken wie Araber und Albaner bekleideten höchste Staatsämter bis hin zum Großwesir.[1]

Der Weltkrieg und die nachfolgenden Friedensschlüsse haben dieses Bild jedoch grundlegend verändert.[1] Aus dem osmanischen Vielvölkerreich ist eine stark national geprägte Türkei geworden.[1] Der Vertrag von Lausanne sicherte in seinen Artikeln 37 bis 45 den nichtmohammedanischen Minderheiten zwar weitreichende Rechte zu, die unter die Bürgschaft des Völkerbundes gestellt wurden.[1] Demnach durften diese Gruppen eigene Schulen, Kirchen und fromme Stiftungen unterhalten.[1] Die neue türkische Regierung schreitet jedoch in ihrer Säkularisierungspolitik rasch voran. Nach der Trennung von Moschee und Staat wird nun auch die Trennung von Synagogen und Kirchen vollzogen. Den geistlichen Oberhirten wird dabei ihre weltliche Macht genommen.[1] Erstaunlicherweise haben Armenier und Juden bereits erklärt, auf die Sonderrechte des Lausanne-Vertrags zu verzichten, da diese durch die fortschreitende türkische Gesetzgebung teilweise überholt seien.[1] Die Griechen hingegen, deren Zahl man noch auf rund 150.000 schätzt, sträuben sich gegen einen Verzicht, da ihr Besitz an kirchlichen und sozialen Einrichtungen beträchtlich ist.[1]

Während sich die innere Struktur wandelt, zeigt sich die Türkei auch nach außen hin wachsam. Wie der Londoner Daily Telegraph meldet, sei die gesamte männliche Bevölkerung Anatoliens im Alter zwischen 18 und 25 Jahren mobilisiert worden.[2] Die türkische Armee werde in Smyrna, am kilikischen Hafen Mersina und am Eisenbahnknotenpunkt Afyonkarahisar zusammengezogen. Offenbar soll so jedem möglichen Landungsversuch von italienischer oder griechischer Seite energisch begegnet werden.[2]