In ganz Indien reißen die beunruhigenden Nachrichten über blutige Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der hinduistischen und der mohammedanischen Bevölkerungsgruppen nicht ab. Wie die Badische Presse berichtet, werden fortwährend Kämpfe aus beinahe allen Teilen des indischen Subkontinents gemeldet.[1] Einen neuen traurigen Höhepunkt der religiös motivierten Unruhen bildete ein gewaltsamer Zusammenstoß in Tanschur (Thanjavur). Dabei verloren zwei Menschen ihr Leben, mehrere wurden zum Teil schwer verletzt.[1] Auch der Pariser Figaro berichtet unter Berufung auf Nachrichten der British United Press aus Bombay, dass die Straßenschlachten zwischen den beiden großen Glaubensgemeinschaften nahezu überall auf der Halbinsel andauern.[2] Den neuesten Angaben zufolge forderten die Krawalle von gestern erneut zwei Todesopfer; etwa zwanzig weitere Personen erlitten schwere Verwundungen.[2]
Die jüngste Welle der Gewalt verdeutlicht die zunehmende Radikalisierung, die seit dem Zerfall der gemeinsamen antibritischen Front um sich greift. In den vergangenen Jahren hatte das Bündnis zwischen der Nichtkooperationsbewegung und dem Kalifat-Komitee noch eine gewisse, wenn auch nur vorgetäuschte Einheit gegen die britische Herrschaft geschaffen. Nun treten jedoch die tiefgreifenden religiösen und sozialen Gegensätze ungeschminkt zutage. Fanatische Prediger auf beiden Seiten verschärfen die Spannungen, indem sie gezielt die religiösen Gefühle der Massen anfachen. Dies führt zu offenen Provokationen bei kultischen Prozessionen und zu gewaltsamen Auseinandersetzungen um die Ausübung religiöser Praktiken in der Nähe der Gotteshäuser der jeweils anderen Gemeinschaft.
Für die britische Kolonialverwaltung stellen die anhaltenden Unruhen eine erhebliche Herausforderung dar. Die Behörden sehen sich zunehmend gezwungen, verstärkt bewaffnete Einheiten einzusetzen, um ein Abgleiten der Situation in einen Bürgerkrieg zu verhindern. Die fortdauernde Feindschaft zwischen den Glaubensgruppen untergräbt jedoch nicht nur die öffentliche Ordnung, sondern schwächt auch die politischen Hoffnungen auf eine gemeinsame Forderung nach nationaler Selbstverwaltung.