Die Regierungen in Bukarest und Warschau haben den Text des neuen polnisch-rumänischen Garantievertrages offiziell der Öffentlichkeit übergeben.[1][2] Das weitreichende Vertragswerk war in seinen inhaltlichen Bestimmungen in diplomatischen Kreisen bereits seit der Unterzeichnung bekannt. Es zielt auf die strikte Sicherung der bestehenden Grenzen in Osteuropa ab.[2] Wie die Neue Freie Presse aus der rumänischen Hauptstadt meldet, richtet sich das Abkommen gegen jeden äußeren Angriff auf die gegenwärtige territoriale Integrität der beiden Staaten.[1] Die vereinbarte Geltungsdauer ist auf fünf Jahre festgesetzt worden.[1] Eine besondere Klausel des Dokumentes sieht zudem vor, dass die Ratifizierung durch die jeweiligen Parlamente schnellstmöglich zu erfolgen habe.[2]
Das Bündnis der beiden Staaten erhält seine besondere Brisanz durch die gegenwärtige außenpolitische Großwetterlage. Nach Angaben der Badischen Presse betrachtet man namentlich in Paris die parallel laufenden deutsch-russischen Verhandlungen mit wachsender Sorge.[3] Der Pariser Temps befürchtet gar, Deutschland könne sich im Falle eines russischen Angriffs auf Polen auf eine Neutralitätsklausel berufen, was die französische Diplomatie als unvereinbar mit dem Locarno-Pakt erachtet.[3] Die französische Presse argumentiert, Deutschland würde sich bei einer Anrufung des Artikels 16 durch den Völkerbund auf die Einschränkungen berufen, die ihm im Oktober des vergangenen Jahres zuerkannt worden waren.[3] Auch der tschechoslowakische Außenminister Beneš hat wegen des deutsch-russischen Vertrages bereits einen Fragebogen an die Locarnomächte gerichtet.[3] Vor diesem Hintergrund anhaltender Ungewissheit an den östlichen Grenzen erscheint die polnisch-rumänische Annäherung als ein folgerichtiger Schritt zur Flankensicherung.
Überschattet wird der diplomatische Erfolg der polnischen Außenpolitik jedoch von der anhaltenden Regierungskrise im eigenen Land.[4] Nach dem Ausscheiden der sozialistischen Minister aus dem Kabinett in Warschau laufen gegenwärtig intensive Bemühungen, Ministerpräsident Skrzyński im Amt zu halten.[4] Für den weiteren Fortgang wird entscheidend sein, ob zumindest die Nationale Arbeiterpartei als Vertretung der Linken in der künftigen Regierung verbleibt.[4] Unterdessen hat sich der Führer der Piastenpartei, Witos, recht unverhohlen zu den weiteren Entwicklungen geäußert.[4] Nach Berichten der Kölnischen Zeitung forderte der Parteiführer die rasche Bildung einer Regierung der starken Männer und tüchtigen Köpfe. Sie solle nicht lediglich die Partikularinteressen einzelner politischer Gruppen vertreten.[4]