Die Berliner Kriminalpolizei hat in der vergangenen Nacht der Schaustellung des bekannten Hungerkünstlers Ventego im Lehrervereinshaus am Alexanderplatz ein jähes Ende bereitet.[1] Dem Vorwärts zufolge saß der Mann bereits seit 47 Tagen in seinem Glaskasten, um den Rekord eines Konkurrenten zu brechen.[1] Da das Publikumsinteresse in der Reichshauptstadt jedoch spürbar nachgelassen hatte, plante er, seine Zurschaustellung heimlich nach Werder zu verlegen.[1] Dort versprach er sich von den Besuchern des Baumblütenfestes einen deutlich stärkeren Zulauf.[1]

Diesen Plänen machte der Oberstaatsanwalt von Hannover nun einen Strich durch die Rechnung.[1] Hinter dem Pseudonym Ventego verbirgt sich in Wahrheit der 37-jährige Adolf Glücksmann, ein aus Hamburg stammender ehemaliger Handlungsgehilfe und Schauspieler.[1] Nach Angaben der Ermittler wird Glücksmann wegen diverser Betrügereien gesucht.[1] Er war in der Vergangenheit unter klangvollen falschen Namen wie Dr. Jakobsohn, Dr. Kaiserberg oder Alberti als Hochstapler und Heiratsschwindler in Erscheinung getreten.[1] Als das Glashaus in der Nacht abgebaut wurde, erklärten die Beamten Adolf Glücksmann kurzerhand für verhaftet.[1] Sie brachten den körperlich geschwächten Mann äußerst schonend in ein Staatskrankenhaus. Dort legte er vor dem Untersuchungsrichter ein Geständnis ab und gab seine wahre Identität preis.[1]

Fast zeitgleich wurde ein weiterer Hungerkünstler namens Kurt Wahlmann in Schutzhaft genommen.[1] Dieser hatte seine Schaustellung in einem Lokal an der Frankfurter Straße vorzeitig abgebrochen.[1] Weil ein hiesiger Verlag eine Berichtigung zu diesem Vorfall in einer Zeitung ablehnte, drohte Wahlmann in einem Brief mit einem schweren Anschlag.[1] Er erklärte, das Verlagsgebäude samt Hunderten Arbeitern mit einem neu erfundenen Sprengstoff in die Luft zu sprengen.[1]