Heute ist ein Jahr vergangen, seitdem Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg in das höchste Amt des Deutschen Reiches gewählt wurde.[1] Im Rückblick auf das erste Jahr seiner Amtsführung zieht die deutsche Presse eine Bilanz, die manch düstere Prognose des vergangenen Frühjahrs widerlegt.

Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung ausführt, könne man sich heute kaum noch jener Argumente besinnen, die damals einen beträchtlichen Teil des Volkes dazu bewogen hatten, die Kandidatur des Feldmarschalls zu bekämpfen.[2] Das Ansehen des Reiches habe durch seinen Repräsentanten eine ungeheure Stärkung erfahren. Hindenburg habe rasch alle törichten Befürchtungen zerstreuen können.[2] Im Innern sei der Weg für eine Beruhigung der nachrevolutionären Leidenschaften freigemacht worden. Dadurch konnten die Anhänger der Vergangenheit und die Verfechter der neuen Staatsform einander nähergebracht werden.[2] Der Präsident diene nicht als Exponent einer klassenmäßigen Bewegung, sondern bilde eine Synthese, welche die zerrissene Nation dringend benötige.[2] Als Bestätigung für diese aufopfernde Pflichterfüllung wertet das Blatt die parteiübergreifende Begeisterung, mit der das gesamte Rheinland den Präsidenten kürzlich empfing.[2] Auch der Westfälische Merkur pflichtet dem bei und betont, dass Hindenburg die in ihn gesetzten Erwartungen voll und ganz erfüllt habe.[1] Sein oberstes Ziel bleibe konsequent die Einigung des deutschen Volkes.[1]

Eine bemerkenswerte Bestätigung dieser konsolidierenden Wirkung kommt aus dem Lager seiner einstigen politischen Gegner. Dem Vorwärts zufolge ist die politische Rechte ihres damaligen Wahlsieges keineswegs froh geworden.[3] Mit Ingrimm müssten radikale Kreise mitansehen, dass ausgerechnet Hindenburg durch seine Haltung Millionen von Deutschen mit der Republik ausgesöhnt habe.[3] Weil er seinen Eid auf die Weimarer Verfassung halte und sich um eine unparteiische Amtsführung als republikanisches Staatsoberhaupt bemühe, habe er sich den Respekt all jener gesichert, die ihn vor Jahresfrist noch scharf bekämpften.[3]

Allerdings gibt das sozialdemokratische Parteiorgan zu bedenken, dass dem amtierenden Präsidenten jene schweren Belastungsproben, die sein Vorgänger Friedrich Ebert zu bestehen hatte, bislang erspart geblieben seien.[3] Mit Blick auf die anstehende Volksentscheidung zur Fürstenenteignung schließt das Blatt mit der Hoffnung, dass der kommende Abstimmungstag im Juni — anders als der Wahlsonntag des Vorjahres — ein wahrer Siegestag der Republik werden möge.[3]