Nach mehrmonatigen, wechselvollen Kämpfen im Völkerbundmandatsgebiet für Syrien und Libanon konnte die französische Armee einen entscheidenden militärischen Erfolg gegen die aufständischen Stämme erzielen. Wie die Neue Freie Presse unter Berufung auf Nachrichten aus Beirut meldet, haben französische Truppen am gestrigen Tage um 1 Uhr die Stadt Soueida (As-Suwaida), das Hauptquartier der Drusen, eingenommen.[1] Dem Pariser Figaro zufolge ging der Eroberung der Hochburg ein mehr als sechsstündiges, überaus erbittertes Gefecht voraus.[2] Die Kolonialstreitkräfte griffen laut Badische Presse mit einer Stärke von elf Bataillonen an und trafen dabei auf zähen Widerstand.[3] Den Angreifern standen schätzungsweise 6000 drusische Kämpfer gegenüber, die mit großer Verzweiflung versuchten, den Vormarsch aufzuhalten.[4][2][1]
Trotz ihrer Entschlossenheit konnten die Aufständischen der militärischen Übermacht auf Dauer nicht standhalten. Die China Mail berichtet in Übereinstimmung mit französischen Meldungen von schweren Verlusten in den Reihen der Verteidiger.[4][2] Darüber hinaus mussten die Drusen, die sich zurückzogen, zwei Kanonen auf dem Schlachtfeld zurücklassen. Diese fielen den französischen Kommandeuren in die Hände.[4][2][3] Der Fall von Soueida — der viel beschworenen drusischen Hochburg — kommt allerdings nicht überraschend. Bereits in den vorangegangenen Tagen hatten die französischen Truppen durch Siege bei Medjel-el-Chems (Majdal Shams) und Khabab (Chabab) ihre operative Ausgangslage erheblich verbessert.[2] Nach Berichten der Pariser Presse waren die drusischen Verbände durch das stetige Vorrücken der Kolonnen bereits zuvor demoralisiert worden. Sie hatten sich zunehmend in die unwirtlichen Höhen des Jebel Druze (Dschabal ad-Duruz) zurückgezogen.[2]
Der erneute Einzug in Soueida besitzt für die französische Mandatsverwaltung eine erhebliche symbolische und strategische Tragweite. Bekanntlich hatten die Truppen der Republik die strategisch wichtige Festung im September des vergangenen Jahres unter dem massiven Druck der Rebellen räumen müssen.[3] Nun herrscht in den Reihen der Militärs die entschiedene Zuversicht, die eroberte Bastion unangefochten behaupten zu können. Aus den Schilderungen der Badischen Presse geht hervor, dass die Streitkräfte die Festung nun dauerhaft in ihrer Hand behalten wollen, um die Kontrolle über das umkämpfte Bergland abzusichern.[3]