Seit dem gestrigen Montag wird in Wien und Niederösterreich gemäß einem Beschluss der dortigen Gastwirtegenossenschaft kein Bier mehr ausgeschenkt.[1] Die Besucher der Gastlokale müssen sich vorläufig mit anderen Getränken behelfen.[1] Der Kampf der Wirte richtet sich gegen eine angekündigte Erhöhung des Bierpreises. Das Vorgehen findet bei den Konsumenten spürbare Sympathie.[1] Die Abnehmer erhoffen sich, dass ein Erfolg der Boykottbewegung auch ihren eigenen Geldbeutel schont.[1]
Während sich die Gastwirte auf eine längere Dauer der Ausschanksperre einrichten, zeigen sich die Brauereien bislang noch zuversichtlich, dass der Konflikt von kurzer Dauer sein werde.[1] Wie die Wiener Zeitung berichtet, hat sich jedoch innerhalb der Brauereiunternehmungen bereits eine starke Gruppe gebildet, die auf rasche Verhandlungen drängt.[1] Eine offizielle Einladung liegt der Boykottleitung zwar noch nicht vor, dennoch wird in den nächsten Tagen mit Gesprächen gerechnet.[1] Unterdessen hat der ehemalige Handelsminister Heinl die Initiative zu einer Vermittlungsaktion ergriffen.[1]
Auch die Politik ist bereits eingeschaltet. Nachdem Vertreter der Gastwirte am Samstag dem Bundeskanzler Dr. Ramek eine Denkschrift überreichten, beauftragte die Regierung den Buchsachverständigen Professor Sedlak, die Preiskalkulationen der Wiener Brauereien genau zu überprüfen.[1] Von dem Ergebnis dieser Untersuchung wird die offizielle Stellungnahme der Bundesregierung zu dem Konflikt abhängen.[1]