In Reval ist ein aufsehenerregender Strafprozess zu Ende gegangen, der die innenpolitischen Spannungen der baltischen Republik erneut in den Mittelpunkt rückt.[1] Wie die Moskauer Prawda berichtet, richtete sich das Verfahren vornehmlich gegen jene Personen, die der aktiven Beteiligung am estnischen Dezemberaufstand beschuldigt wurden.[1] Die Justiz fällte in dieser Angelegenheit nun drakonische Urteile.[1]

Nach Angaben des sowjetischen Parteiblattes standen insbesondere der Angeklagte Alexander Mui und ein namentlich als Aru bezeichneter Bauer im Mittelpunkt der Gerichtsverhandlung.[1] Beide Männer wurden nach Angaben der russischen Zeitung vom Revaler Gericht schuldig gesprochen und zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt.[1] Dieses harte Strafmaß entspricht der konsequenten Haltung der estnischen Behörden, die seit den Unruhen mit unerbittlicher Härte gegen die kommunistische Bewegung vorgehen.[1]

In der benachbarten Sowjetunion wird der Ausgang dieses Verfahrens erwartungsgemäß mit großer Schärfe kommentiert.[1] Die Prawda verurteilt die Gerichtsurteile mit Nachdruck. In ihrer jüngsten Ausgabe spricht sie von einer „neuen Welle des weißen Terrors in Estland“ und stuft die Urteile als politisch motiviert ein.[1] Die Revaler Regierung zeigt sich von der Kritik der Moskauer Auslandspresse jedoch unbeeindruckt. Sie setzt die Untersuchungen im Zusammenhang mit dem gescheiterten Umsturz weiterhin fort.[1]