England steht vor der Gefahr einer größeren Industriekrise, als sie das Land jemals in der neueren Zeit durchgemacht hat.[1] Die Bestrebungen zur Beseitigung der Generalstreikgefahr sind gescheitert.[2] Die Regierung hat erklärt, sich unter der Drohung eines Generalstreiks nicht weiter an Verhandlungen zu beteiligen. Sie teilte dem Gewerkschaftskongress mit, dass sie bereit gewesen wäre, die Subventionen für 14 Tage zu verlängern, sofern die Arbeiter Lohneinbußen akzeptiert hätten.[2] Der englische Premierminister Baldwin verhandelte am Sonntagabend in Gegenwart des gesamten Kabinetts erneut mit dem Generalrat der Gewerkschaften. Später nahmen auch Vertreter des Bergarbeiterverbandes teil.[3] Die Besprechung dauerte bis tief in die Nacht und wurde schließlich ohne Ergebnis abgebrochen.[3] Damit ist der Beginn des Generalstreiks unausweichlich geworden.[3]
Der außerordentliche Gewerkschaftskongress, auf dem 1500 Delegierte als Vertreter von 200 Gewerkschaften versammelt waren, beschloss den Generalstreik für Montag um Mitternacht.[4] Die Generalstreikentschließung wurde mit einer überwältigenden Mehrheit von 3.653.000 Stimmen gegen knapp 50.000 Gegenstimmen gefasst.[4] Der Generalrat erteilte sofort die notwendigen Anweisungen, welche sämtliche Verkehrseinrichtungen umfassen. Dazu zählen Eisenbahnen, Hafen- und Kanalverkehr, das Druckereigewerbe sowie die Stahl-, Eisen-, Metall-, chemische und Bauindustrie.[4] Inzwischen ist die Arbeit im Kohlenbergbau in ganz Großbritannien bereits vollständig zum Erliegen gekommen.[4]
Den letzten Anstoß zum Abbruch der Verhandlungen gab offenbar ein wilder Streik bei der Zeitung Daily Mail.[2] Die Setzer hatten sich geweigert, einen Leitartikel zu fertigzustellen, den sie als Provokation gegenüber den Bergarbeitern betrachteten.[2] Sie nahmen an dem Leitartikel Änderungen vor und verließen danach zusammen mit dem technischen Personal das Gebäude.[2] Die Regierung forderte in ihrem Ultimatum an den Gewerkschaftskongress eine sofortige Zurückziehung der Streikorder und verwies auf bereits erfolgte Handlungen.[3]
Der König hat in einer Proklamation den Notzustand über ganz England verhängt.[2] Der Ausnahmezustand wurde verkündet und Truppen wurden in die Industriegebiete von Südwales, Lancashire und Schottland entsandt.[4] Offiziell heißt es, es handele sich dabei lediglich um Vorsichtsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung.[5] Dem Helsingin Sanomat zufolge wurden weitreichende Maßnahmen zur Sicherung der Lebensmittelversorgung ergriffen.[6] Die britische Regierung hat alle Kohlenvorräte in den Gruben beschlagnahmt.[7] Überdies organisiert die Regierung die Technische Nothilfe unter der Leitung von Postminister Mitchell-Thomson.[8]
Der Generalrat der Gewerkschaften sieht die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen bei der Regierung.[2] In einer Antwort des Generalrats heißt es, die aufrichtigen Bemühungen um eine ehrenhafte Regelung seien durch das unerhörte Ultimatum der Regierung zunichte gemacht worden.[3] Die französische Zeitung Le Temps weist darauf hin, dass die Frage des nationalen Mindestlohns, die 1924 durch die Ruhrbesetzung künstlich begünstigt worden sei, den Kern des Konflikts bilde, auf dem die Samuel-Kommission beharre.[5]