In der französischen Hauptstadt sorgt ein brutales Verbrechen für Aufsehen, das in den Kreisen der Diplomatie tiefe Erschütterung ausgelöst hat. In ihrem Anwesen in der Pariser Rue Denfert-Rochereau ist die Gattin des ehemaligen Botschafters Regnault einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen.[1] Zum Zeitpunkt der Tat befand sich ihr Ehemann zusammen mit der ältesten Tochter auf einer Reise in der Nähe von Dieppe.[1] Madame Regnault hatte sich wie üblich in ihr Schlafzimmer im Erdgeschoss zurückgezogen, während die jüngste Tochter im ersten Stock schlief.[1]
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen mit Nachdruck aufgenommen. Nach Angaben des Figaro verfolgen Kommissar Guillaume und Inspektor Bartael vor allem die Theorie eines Einbruchs.[1] Man nimmt an, dass die Hausherrin Geräusche aus dem angrenzenden Garten vernahm, der sich bis zum Boulevard Raspail erstreckt. Daraufhin trat sie den Eindringlingen entgegen und führte offenbar den Revolver ihres Mannes mit sich.[1] Die Ermittler gehen davon aus, dass ihr die Waffe im Handgemenge entrissen wurde und die Täter sie mit ihren eigenen Kugeln töteten.[1]
Bislang fehlt von den Tätern jede Spur. Jedoch wurde eine Taschenlampe am Tatort sichergestellt.[1] Da keine Einbruchsspuren festgestellt wurden und das Hauspersonal über jeden Verdacht erhaben ist, konzentrieren sich die Nachforschungen auf Handwerker, die vor drei Wochen im Gebäude tätig waren.[1] Diese Personen könnten von der Gewohnheit Monsieur Regnaults gewusst haben, an den Wochenenden zu verreisen.[1] Zudem meldete die Concierge einen verdächtigen jungen Mann, der sich kürzlich erkundigt hatte, ob das Appartement bald zu mieten sei.[1] Entwendet wurde diverser alter Schmuck, dessen genauer Wert noch unbestimmt ist.[1]
Das Verbrechen entbehrt nicht einer gewissen Tragik; Madame Regnault entkam im Jahre 1912 während der Unruhen in Fez nur knapp dem Tode.[1] Monsieur Regnault kehrte nach Erhalt eines Telegramms unverzüglich nach Paris zurück, um bei den Ermittlungen zu helfen.[1] Wie aus Regierungskreisen verlautet, hat Ministerpräsident Briand der Familie bereits sein tiefstes Beileid ausgesprochen.[1]