Das ehrgeizige Vorhaben zur Nutzbarmachung des Colorado-Flusses, das seit geraumer Zeit in der amerikanischen Öffentlichkeit diskutiert wird, hat nunmehr eine entscheidende politische Aufwertung erfahren. Wie die Washington Times meldet, gab Präsident Coolidge dem sogenannten Swing-Johnson-Gesetzentwurf, der die Errichtung eines gewaltigen Staudamms im Boulder-Canyon vorsieht, seine offizielle Unterstützung.[1] Diese monumentale Vorlage zielt darauf ab, den gesamten südwestlichen Teil der Vereinigten Staaten zuverlässig mit elektrischer Energie zu versorgen.[1]

Die Billigung der Pläne durch das Staatsoberhaupt wurde direkt im Weißen Haus durch den Abgeordneten Swing bekanntgegeben.[1] Dieser hatte zuvor gemeinsam mit dem republikanischen Abgeordneten Smith aus Idaho sowie dem Abgeordneten Sinnot aus Oregon eine ausführliche Unterredung mit dem Präsidenten über die technische und finanzielle Reichweite des Vorhabens geführt.[1] In Washingtoner Regierungskreisen wird das Boulder-Damm-Projekt bereits eindrucksvoll als das „Muscle Shoals“ des amerikanischen Westens bezeichnet.[1] Sachverständige betonen sogar, dass die Leistungsfähigkeit des neuen Wasserbauwerks jene seines bekannten Pendants in Alabama erheblich übertreffen dürfte.[1]

Neben der reinen Energieerzeugung für den rasch wachsenden Südwesten der Republik stehen zwingende landwirtschaftliche Erwägungen im Vordergrund. Gezielten Schätzungen zufolge könnten durch den Staudamm rund 400.000 Morgen unerschlossenes Land für die landwirtschaftliche Kultivierung nutzbar gemacht werden.[1] Ferner würde die Errichtung des Bauwerks bewirken, dass das landwirtschaftlich wertvolle, aber stark bedrohte Imperial Valley künftig vor den verheerenden Überschwemmungen des Flusses geschützt wird.[1] Die Finanzierung des gigantischen Unternehmens scheint derweil gesichert zu sein — nach Angaben der Befürworter beabsichtigt allein die aufstrebende Metropole Los Angeles, derart große Mengen an Elektrizität vom Staat zu beziehen, dass die Baukosten des Projekts langfristig vollständig getilgt werden könnten.[1]

Ermutigt durch die erklärte Rückendeckung des Präsidenten planen die parlamentarischen Initiatoren des Gesetzesvorhabens, eine schnelle Behandlung im Parlament zu erreichen, um eine Abstimmung noch in der laufenden Sitzungsperiode des Kongresses herbeizuführen.[1] Nichtsdestoweniger gilt es unter Beobachtern als fraglich, ob eine endgültige Beschlussfassung angesichts der parlamentarischen Verfahrenswege tatsächlich zeitnah zu erreichen ist.[1]