Das alte Problem vom Innenleben der Tiere, insbesondere der Menschenaffen, lässt der Wissenschaft keine Ruhe.[1] Nachdem vor einiger Zeit Professor Köhler die erstaunlichen Resultate seiner Forschungen in der Affenkolonie auf Teneriffa veröffentlichte, stellte nun der amerikanische Psychologe Professor Perkes (Robert Yerkes) seine eigenen Erkenntnisse vor.[1] Wie die Badische Presse berichtet, weisen die Beobachtungen des Gelehrten von der Yale-Universität ein ähnliches Gesamtbild auf, auch wenn Köhlers zielgerichtete Methoden wissenschaftlich als exakter bewertet werden.[1]
Perkes verbrachte drei Jahre in der großen Affenhorde der Spanierin Rosalia Abreu auf Kuba, um dort scharfsinnige Experimente durchzuführen.[1] Als die begabtesten Tiere der Kolonie erwiesen sich der Schimpanse Chimpita und seine Frau Cucusa.[1] Durch planmäßige Erziehung erreichte Chimpita laut dem amerikanischen Professor einen derartigen Grad an Verstand, dass der Unterschied zu einem minderbegabten Menschen nur noch verschwindend klein sei.[1]
Eine ausführlich geschilderte Episode belegt diese bemerkenswerte Intelligenz.[1] Das Affenpaar war in einem ummauerten Garten eingeschlossen. Ein Wächter beaufsichtigte sie und hatte sich, wegen wiederholter Ausbruchsversuche, mit einem Revolver bewaffnet.[1] Als Cucusa die Mauer erklomm und entkommen wollte, richtete der Wächter drohend seine Waffe auf sie.[1] Chimpita erfasste die Situation sofort — er stürzte sich auf den ungleich schwerfälligeren Mann und entriss ihm nach einem kurzen Ringen den Revolver.[1] Blitzschnell kletterte der Schimpanse auf die Mauer, warf dem am Boden liegenden Wächter die geladene Waffe verächtlich zu und verschwand.[1] Der Mann bat daraufhin um seine Versetzung.[1]
Neben dem Verstand untersuchte Perkes auch das Gefühlsleben der Tiere sehr eingehend.[1] So schleppte sich der todkranke Schimpanse Jimmy mit letzter Kraft zu seiner Herrin, küsste ihr Stirn und ihre Hände und starb vor ihren Füßen.[1] Zudem stellte der Forscher fest, dass Affen durchaus wie Menschenkinder weinen können. Es bedarf jedoch einiger Übung, dieses Weinen vom Lachen der Tiere zu unterscheiden.[1]