Die Unterzeichnung des französisch-amerikanischen Schuldenabkommens sorgt auf beiden Seiten des Atlantiks auf Erleichterung.[1] Nach Angaben von Le Temps begrüßen führende New Yorker Blätter das Abkommen als notwendigen Schritt zur Klärung der Nachkriegsfinanzen.[1] Der von Botschafter Henry Bérenger ausgehandelte Vertrag sieht für die ersten fünf Jahre eine durchschnittliche Annuität von 32 Millionen Dollar vor.[1] Dies stellt ein amerikanisches Entgegenkommen dar, da der frühere französische Finanzminister Joseph Caillaux im Vorjahr noch 40 Millionen Dollar angeboten hatte.[1] Obgleich eine formelle Schutzklausel fehlt, räumt Washington Frankreich das Recht ein, Zahlungen im Bedarfsfall um bis zu drei Jahre aufzuschieben.[1]
Nichtsdestoweniger hängt die französische Zahlungsfähigkeit de facto von den eingehenden Reparationsleistungen ab.[1] Während Präsident Calvin Coolidge auf eine Ratifizierung drängt, formiert sich im amerikanischen Senat Widerstand. Dadurch könnte sich der Prozess verzögern; eine endgültige Ablehnung gilt jedoch als unwahrscheinlich.[1]
Unterdessen zieht die Pariser Presse kritische Vergleiche. Wie die Kölnische Zeitung berichtet, publizierte der Petit Parisien eine Gegenüberstellung der verschiedenen alliierten Schuldenabkommen.[2] Diese Tabelle legt der Leserschaft anschaulich dar, dass Italien 74 Prozent und Belgien 61 Prozent ihrer amerikanischen Kriegsschulden erlassen wurden.[2] Bérenger selbst wird seinen diplomatischen Posten in Washington vorerst behalten.[1]