Die Studienkommission in Genf hat konkrete Vorschläge formuliert, die als Basis für die kommende Reorganisation dienen sollen.[1] Der Völkerbundrat soll künftig durch die Einführung von drei Kategorien von Ratssitzen vergrößert werden.[1]

Die erste Kategorie bilden die ständigen Sitze. Diese bleiben ausnahmslos den Großmächten vorbehalten.[1] Für die anstehende Septembertagung bedeutet dies, dass ausschließlich Deutschland in diesen Kreis aufrücken wird.[1] Weitere ständige Mandate ziehen die Diplomaten nur dann in Betracht, wenn die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion dem Staatenbund beitreten sollten.[1] Daneben sollen als zweite Kategorie sogenannte halbständige Sitze eingeführt werden. Deren Mandatsdauer ist zunächst auf sechs Jahre befristet.[1] Den Inhabern dieser Sitze wird ausdrücklich das Recht auf Wiederwahl nach Ablauf der Frist eingeräumt.[1] Diese neu konzipierte Form der Repräsentation ist hauptsächlich für Spanien, Polen, Brasilien sowie die Kleine Entente vorgesehen, um die drängenden Forderungen dieser Staaten nach mehr Einfluss zu berücksichtigen.[1]

Als dritte Gruppe sieht der Plan nichtständige Sitze vor, die für jeweils drei Jahre vergeben werden.[1] Nach Ablauf dieser Periode ist eine sofortige Wiederwahl der entsprechenden Staaten ausgeschlossen.[1] Neben der komplexen Sitzverteilung erfährt auch die Debatte um die Abstimmungsregeln verstärkte Aufmerksamkeit.[1] Der Einspruch Brasiliens allein reichte aus, um die jüngste Tagung im März scheitern zu lassen. Dies hat die Diskussion neu entfacht, ob das im Völkerbundstatut verankerte Prinzip der Einstimmigkeit modifiziert werden sollte.[1] Bei den Großmächten besteht jedoch aus politischen Erwägungen keine Neigung, von der bestehenden Einstimmigkeitsregel abzurücken.[1]

Auch das europäische Ausland misst den diplomatischen Verwerfungen, die mit dieser Reform einhergehen, große Bedeutung bei.[2] Dem Pariser Temps zufolge äußerte sich der tschechoslowakische Außenminister Edvard Benes (Edvard Beneš) vor dem auswärtigen Ausschuss des Senats in Prag zur internationalen Lage.[2] Der Minister erwähnte dabei das neu geschlossene deutsch-russische Abkommen von Berlin. Er stellte fest, dass innerhalb der Genfer Institution naturgemäß erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die Neugestaltung des Rates bestehen.[2] Benes betonte, dass ungeachtet dieser Differenzen unbedingt ein Abkommen erzielt werden müsse, um die Arbeitsfähigkeit der internationalen Staatengemeinschaft zu sichern.[2]