Auf Einladung der Physiognomischen Studiengesellschaft sprach am vergangenen Wochenende Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld im Berliner Ernst-Häckel-Saal über das vielschichtige Thema „Gesicht und Geschlecht“.[1] Zu Beginn seines Vortrags äußerte der Wissenschaftler sich kritisch zu den Wechselbeziehungen zwischen Physiognomie und Sexualität.[1] Wie der Vorwärts berichtet, steht Hirschfeld der gängigen These zweifelnd gegenüber, dass sich von der Gesichtsbildung unmittelbar auf die Geschlechtlichkeit schließen lasse.[1] So hält er etwa die Annahme für unbestätigt, von einer stark entwickelten Lippenbildung auf eine besonders rege Sinnlichkeit folgern zu können.[1]

Nichtsdestoweniger präsentierte der Referent seinem Publikum lebende Demonstrationen „zwischengeschlechtlicher Varianten“, die er dem Anschauungsmaterial seines Instituts für Sexualwissenschaft entnommen hatte.[1] Im weiteren Verlauf ging Hirschfeld anhand von rund fünfzig Lichtbildern auf die physiognomische Auswirkung sogenannter Geschlechtsmischungen ein.[1] Er legte dar, dass prägnante Beispiele der Homosexualität sowie des Transvestitentums für das geschulte Auge erkennbar seien.[1]

In der anschließenden Diskussion betonte Dr. Cohn, der Vorsitzende der Gesellschaft, dass er Hirschfelds skeptischen Standpunkt nicht in vollem Umfang teile.[1] Gewisse Gesichtsbildungen ließen nach seiner Ansicht keineswegs nur hypothetische Rückschlüsse auf die geschlechtliche Ausprägung zu.[1] Aus der Zuhörerschaft wurde ergänzend mit Nachdruck auf die Bedeutung der Hände für die sexualwissenschaftliche Forschung hingewiesen.[1]