Die innen- und außenpolitische Entwicklung unter dem faschistischen Regime in Italien wird in Deutschland weiterhin mit großer Anspannung verfolgt. Neben den internen Umstrukturierungen des Staates bereiten vor allem der Umgang mit den Minderheiten und die damit verbundenen Maßnahmen erhebliche Sorgen. Wie der Westfälische Merkur berichtet, richtet sich das deutsche Mitgefühl auf jene Volksgenossen jenseits der Grenzen, die in ihrem Deutschtum bedroht werden und deren eigene Sprache durch die faschistischen Behörden unterdrückt wird.[1]

Von deutscher Seite wird grundsätzlich der Wunsch geäußert, rasch wieder zu guten Verhältnissen mit Italien zurückzukehren, da beide Staaten gemeinsame Interessen verbinden.[1] In politischen Kreisen wird jedoch betont, dass eine solche Verständigung eine Abkehr von den derzeitigen harschen Methoden der Regierung Mussolini gegenüber den Südtirolern erfordert. Man hofft ausdrücklich, dass das leicht erregbare italienische Temperament und insbesondere „die Impulsivität des Mannes, der die Geschicke Italiens leitet“, bald wieder maßvoller auftreten wird.[1]

Die Sorge um die kulturelle und politische Existenz der Minderheiten wird dabei als eine Selbstverständlichkeit betrachtet. Dies gelte unabhängig von tagespolitischen Notwendigkeiten.[1] Auf diesem Gebiet werden eine Lösung und eine ernsthafte Verständigung als unumgänglich angesehen, um eine dauerhafte Beruhigung der bilateralen Beziehungen zu gewährleisten.[1]