Wie das Hamburger Echo berichtet, hat Reichstagspräsident Paul Loebe dem Ältestenrat des Parlaments ein umfassendes Programm zur Reform der parlamentarischen Beratungen vorgelegt.[1] In einer gestrigen Sitzung führte Loebe aus, dass die derzeitige Beratungsweise des Reichstages allmählich eine Form angenommen habe, die dem Ansehen der Volksvertretung auf die Dauer abträglich werden müsse.[1]
Bereits jetzt sei eingeführt worden, dass die Plenarsitzungen des Reichstages künftig um 14 Uhr beginnen und um 18 Uhr enden, womit sie auf vier Stunden begrenzt sind.[1] Um für diese verkürzte Zeit eine lückenlose Anwesenheit aller Abgeordneten zu gewährleisten, sollen in jeder Fraktion drei Einpeitscher angestellt werden. Diese haben die Aufgabe, die Präsenz der Parlamentarier zu überwachen.[1] In der sozialdemokratischen Fraktion, so wird gemeldet, sei diese Position bereits eingerichtet worden.[1]
Ein wesentlicher Punkt der Reformvorschläge ist die Neugestaltung der Debatten.[1] Das Verbot der Verlesung von Reden soll künftig strenger gehandhabt werden.[1] Die Reihenfolge der Redner soll nicht mehr wie bisher nach der Größe der jeweiligen Fraktion bestimmt werden.[1] Stattdessen schlägt Loebe eine kontradiktorische Art der Debattenführung vor. Dabei sollen sich Redner, die für oder gegen den zur Diskussion stehenden Gegenstand sprechen, abwechseln.[1]
Weiterhin fordert der Reichstagspräsident eine zusätzliche Begrenzung der Redezeit bei weniger bedeutenden Themen.[1] Die bisherige einstündige Redezeit soll nur noch für die große außenpolitische Diskussion und für grundsätzliche Fragestellungen erhalten bleiben.[1] Auch sollen große und kleine Parteien nicht mehr automatisch dieselbe Redezeit erhalten.[1] Schließlich regt Loebe an, Zwischenbemerkungen und Fragen während der Rede eines anderen Redners einzuführen, wie es in den Parlamenten Englands und Frankreichs üblich ist.[1] Laut Loebe hätten die Vertreter aller Parteien diese Anregungen günstig aufgenommen und zugesagt, ihre Fraktionen darüber zu unterrichten.[1]