Die Erstaufführung von Carl Zuckmayers Erfolgsstück Der fröhliche Weinberg in Halle ist, wie der Westfälische Merkur unter Berufung auf Berichte der Frankfurter Zeitung meldet, von einem beispiellosen Theaterskandal überschattet worden.[1] Die örtliche Theatergeschichte ist bereits reich an Tumulten; doch die jüngsten Vorfälle übertrafen jedes bisherige Maß.[1] Bereits während des ersten Aktes kam es zu wiederholten Störungen durch Pfeifen und Johlen. Nach dem Fall des Vorhangs kam zwischen Störern und Beifallklatschern zu heftigen Auseinandersetzungen.[1]

Als zu Beginn des zweiten Aktes die Figur des Corpsstudenten die Bühne betrat, brach der offene Aufruhr los.[1] Ein Kommando der Schutzpolizei musste rund fünfzehn der lautesten Störer aus dem Zuschauerraum führen. Die aus dem Zuschauerraum Geführten kehrten jedoch bald darauf unter dem tobenden Beifall ihrer Gesinnungsgenossen zurück.[1] Den Höhepunkt erreichte der Eklat im dritten Akt beim Fall des Namens der Fürstin Pleß.[1] Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllte das Haus, woraufhin ein starkes Polizeiaufgebot bei halbdunklem Saal rund ein Drittel der Besucher, mehrere hundert Personen, zwangsweise entfernte.[1]

Jeder Versuch der Direktion, das Stück regulär fortzusetzen, scheiterte.[1] Studenten auf der Galerie stimmten stehend die Hymne „Burschen heraus“ an, später folgte das Deutschlandlied.[1] Die verbliebenen Szenen der Komödie glichen lediglich einer Pantomime, da im anhaltenden Lärm kein einziges Wort mehr zu verstehen war, während draußen die Ausgesperrten randalierten und die Türen zum ersten Rang einschlugen.[1]