Solange der Generalstreik andauert, wird die britische Regierung auf keinerlei Verhandlungsangebote der Gewerkschaften eingehen.[1] Im Londoner Unterhaus erklärte Premierminister Stanley Baldwin unmissverständlich, eine Wiederaufnahme der Gespräche sei unmöglich, bevor der Ausstand nicht bedingungslos abgebrochen werde.[2] Der Arbeiterführer Ramsay Macdonald appellierte in der gleichen Sitzung an das Parlament, Vernunft walten zu lassen und einen Ausweg aus der verfahrenen Lage zu suchen.[2] Auch Arthur Henderson betonte, man müsse versuchen, an den Punkt der Verhandlungen vor dem endgültigen Bruch zurückzukehren.[3] Lloyd George wies warnend darauf hin, dass die Nation zwar viel Sympathie für die Bergarbeiter hege, der Generalstreik diese jedoch zu entfremden drohe.[4]

Trotz der enormen Beteiligung — der British Worker schätzt die Zahl der Streikenden auf zweieinhalb bis drei Millionen — verläuft der Konflikt bisher weitgehend ruhig.[2] Die Londoner Polizei zerstreute lediglich kleinere Menschenansammlungen. Im Arbeiterviertel Poplar schritt sie mit einer militärischen Demonstration ein.[1] Der britische Innenminister teilte mit, dass sich die Lage bei den Eisenbahnen bereits leicht bessere und der Schutz von Arbeitswilligen mit allen Mitteln aufrechterhalten werde.[1][3] Dem Figaro zufolge wurde der dringende Postverkehr auf den Kontinent teilweise durch Flugzeuge gesichert. Diese hätten bereits über einhundert Kilogramm an Briefen in beide Richtungen befördert.[5]

Unterdessen geht die Regierung hart gegen die Publikationen der Streikenden vor. Ein starkes Polizeiaufgebot umzingelte die Räume des Daily Herald, beschlagnahmte die geplante Sonderausgabe der Streikleitung und brachte die Maschinen zum Stillstand.[1][3] Später gestatteten die Behörden dennoch den Druck eines eigenen Nachrichtenblattes unter dem Titel The British Worker.[3] Das Gerücht, die Gewerkschaftsführer hätten heimlich eine Friedensformel gesucht, wurde von dem Bergarbeiterführer Arthur James Cook energisch dementiert.[6] Die Moskauer Prawda berichtet über eine Falschmeldung der in Paris gedruckten Daily Mail. Cook bezeichnete diese Meldung als glatten Schwindel.[6]

In Deutschland schlägt der englische Arbeitskampf weite Wellen. Laut Berichten des Hamburger Echo hat eine gemeinsame Konferenz der freien Gewerkschaften beschlossen, die britischen Arbeiter aktiv zu unterstützen.[7] Demnach wird die Bebunkerung englischer Schiffe in deutschen Häfen verweigert und der Export von Kohle nach Großbritannien strikt blockiert.[7] Nach Angaben des Berliner Tageblatt tritt der Bundesausschuss des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes am morgigen Freitag zusammen, um die Lage eingehend zu prüfen und weitere Solidaritätsmaßnahmen zu beraten.[8]